Merlin eröffnet Dungeon in Berlin und Abenteuerpark in Oberhausen

Von Hamburg aus wird die Expansion in Deutschland gesteuert

Hamburg. Der Pirat Klaus Störtebeker wird in der Hamburger Speicherstadt mehrmals täglich gehenkt. Unweit des historischen Schauplatzes, an dem Störtebeker vor mehr als 600 Jahren den Kopf verlor, wird die Szene im Hamburg Dungeon nachgestellt. Drei Millionen Besucher wollten in den vergangenen 13 Jahren die Hinrichtung nacherleben, ebenso wie den großen Brand von 1842, mittelalterliche Folterkammern oder Pest-Epidemien. "Viele Schulklassen kommen bei ihrer Klassenreise zu uns", sagt Marketingmanagerin Miriam Wolframm. "Das kommt gut an. Der Lehrer ist dann einfach cooler, als wenn er mit seinen Schülern in ein Museum geht."

Die Verbindung von Lokalgeschichte mit Grusel und Entertainment funktioniert nicht nur in Hamburg. Ähnliche Dungeons gibt es mehrfach in England sowie in Schottland und Amsterdam. Noch in diesem Monat eröffnet das zweite Gruselkabinett in Deutschland in Berlin, in der Nähe des Alexanderplatzes. Hinter dem erfolgreichen Konzept steht die britische Merlin Entertainment Group, die mit unterschiedlichen Freizeitattraktionen zum zweitgrößten Unterhaltungskonzern weltweit hinter Disney aufgestiegen ist und ihre Deutschland-Zentrale in der Altstadt hat. "Das Berliner Dungeon ist die erste Neueröffnung von Merlin in Deutschland seit vier Jahren", sagt Sabrina de Carvalho, Geschäftsführerin der Merlin Entertainment Group Deutschland. In Oberhausen soll zudem noch in diesem Jahr der Sealife Adventure Park eröffnet werden, der erste seiner Art in Deutschland. Er verbindet Tierbeobachtung mit Fahrgeschäften.

Der Konzern hat eine Erfolgsformel gefunden, die seit Jahren ein stetiges Wachstum mit sich bringt. Mit einem knappen Dutzend Konzepten, die in unterschiedlichen Städten ihre Tauglichkeit bewiesen haben, expandiert das Unternehmen an immer neue Standorte. Zu Merlin gehören Legoland und Sealife-Aquarien, die Dungeons, die Wachsfigurenkabinette von Madame Tussauds, einzelne Themenparks wie Heide Park Resort in Soltau, Kletterwald-Attraktionen, Ski-Resorts, Hotels und Feriendörfer. Über den Globus verteilt betreibt Merlin an die 100 In- und Outdoor-Unterhaltungsobjekte, die jährlich mehr als 46 Millionen Besucher anziehen. "In den vergangenen Jahren standen Asien und Australien stärker im Fokus", sagt de Carvalho. Von Dubai bis Busan und Sydney eröffnete Merlin neue Attraktionen.

Der britische Konzern erreichte im Jahr 2011 mit 18.000 Mitarbeitern in 20 Ländern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 342 Millionen Euro. Für das vergangene Jahr liegen noch keine genauen Zahlen vor, aber das Wachstum der Vorjahre geht weiter. Die Informationen sind etwas spärlich, denn Merlin ist - anders als Disney - nicht an der Börse. Der Konzern gehört der Familie der Lego-Gründer sowie zwei Investmentgesellschaften.