Wirtschaft

Union Investment baut Stellen in Hamburg ab

Geschäft der Hamburger Immobilientochter der Fondsgesellschaft wächst, Zentrale zwingt aber zum Sparen. Hansestadt zweitwichtigster Standort bei den Immobilien.

Hamburg. Jeder fünfte Euro, den die Kunden der Genossenschaftsbanken in eine Anlage abseits von Sparprodukten investieren, landet in Hamburg in den Kassen von Reinhard Kutscher. Er verantwortet das Immobiliengeschäft von Union Investment, einer der großen Fondsgesellschaften in Deutschland. "Im vergangenen Jahr haben uns die Anleger zwei Milliarden Euro für unsere offenen Immobilienfonds anvertraut", sagt Kutscher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Union Investment Real Estate in Hamburg. In diesem Jahr rechnet er ebenfalls mit einem Geldzufluss in dieser Größenordnung. "Schon in den ersten Wochen haben wir wieder 250 Millionen Euro eingesammelt", sagt Kutscher. Insgesamt verwaltet die Gesellschaft Immobilien wie Bürogebäude, Einkaufszentren oder Hotels im Gesamtwert von 21,5 Milliarden Euro.

"Hamburg ist nach Paris unser zweitwichtigster Standort bei den Immobilien", sagt Kutscher. Insgesamt hat Union Investment Real Estate hier 1,6 Milliarden Euro investiert. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden in der Hansestadt drei Objekte mit einem Investitionsvolumen von rund 180 Millionen Euro erworben. Dazu gehören das Centurion Commercial Center, ein Bürogebäude in der HafenCity und eine Logistikimmobilie in Hausbruch. "Für Hamburg spricht eine gesunde Wirtschaftsstruktur mit Branchen wie Flugzeugbau, Handel, Reedereien, Hafen, Dienstleistungen und Tourismus", sagt Kutscher. Das mache das Immobiliengeschäft hier sehr stabil.

Obwohl die Anleger bei den offenen Immobilienfonds der Gesellschaft nur noch eine jährlichen Rendite von rund 2,5 Prozent im letzten Jahr kassierten, stehen die Produkte hoch im Kurs. "Bei vergleichbarem Risiko gibt es nur wenig Anlagemöglichkeiten mit einer vergleichbaren Rendite", sagt Kutscher.

Obwohl die Geschäfte gut laufen, kommt Kutscher um einen Personalabbau nicht umhin, den die Zentrale der Fondsgesellschaft in Frankfurt vorgegeben hat. Innerhalb von drei Jahren sollen zehn Prozent der rund 330 Stellen in Hamburg abgebaut werden. "Entlassungen wird es aber nicht geben", sagt Kutscher. "In bestimmten Bereichen wie der Betreuung der Immobilienbestände haben wir uns durch die Zusammenlegung von Einheiten verschlankt. In anderen Bereichen suchen wir aber nach wie vor Fachpersonal, etwa Steuerexperten oder Mitarbeiter für das Fondsmanagement. Langfristig wird die Zahl der Beschäftigten im Immobiliensegment wieder steigen", sagt Kutscher.

Denn bei den Immobilientransaktionen will Union Investment die Schlagzahl erhöhen. Nicht nur der stete Geldzufluss durch die Anleger verlangt schnelle Immobilienkäufe, auch die Zahl der Verkäufe soll erhöht werden. Schon im vergangenen Jahr gab es 26 Ankäufe und 21 Verkäufe. Im Schnitt geht damit jede Woche ein großer Immobiliendeal über den Tisch von Kutscher. "Wir peilen bis zu 60 Transaktionen im Jahr an", sagt er. Damit soll der Immobilienbestand auch verjüngt werden. Besonders aussichtsreiche Märkte sieht Kutscher in den USA, in Skandinavien und Irland. So liegen die Preise in Irland jetzt 50 Prozent unter dem Niveau von 2007/08. Dagegen sei ein Einstieg in den spanischen Büromarkt noch etwas früh. "Es ist noch nicht absehbar, wo sich die Preise dort einpendeln werden", sagt Kutscher. Im Moment warteten die Investoren noch ab.

"Wir suchen moderne, hochwertige Objekte und beteiligen uns deshalb auch verstärkt an Projektentwicklungen", sagt Kutscher. Union Investment sichert sich damit die Immobilie schon bevor der erste Grundstein gelegt ist und zu günstigeren Konditionen als nach Fertigstellung. So erwarb Union Investment die Projektentwicklung des ersten Motel One in Amsterdam. Das Budget-Hotel mit 315 Zimmern soll Anfang 2015 das Portfolio des offenen Immobilienfonds UniImmo Europa ergänzen. Auch das Motel One in der Neustadt gehört Union Investment. "Wir sehen die Budget-Hotels in zentralen Lagen als ein sehr interessantes Marktsegment, weil es besonders krisenresistent ist", sagt Kutscher. Die Hotels machen inzwischen zwölf Prozent aller Fondsimmobilien aus, und der Anteil der Budget-Häuser an allen Hotels liegt bei 20 Prozent und soll weiter ausgebaut werden. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden 342 Millionen Euro in Hotelprojekte investiert, zuletzt in das Vier-Sterne-Hotel Barcelo in Hamburg mit 193 Zimmern.

Noch kommt 85 Prozent des frischen Geldes von den Privatanlegern nach Hamburg. Doch Kutscher baut das Geschäft mit institutionellen Anlegern wie Versicherungen und Versorgungswerke aus. Von diesen Anlegern gab es im Vorjahr verbindliche Kapitalzusagen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Jetzt müssen dafür nur noch die geeigneten Immobilien gefunden werden. So wurden bereits spezielle Fonds für Einzelhandelsobjekte oder europäische Windkraftanlagen aufgelegt.

Neue Probleme drohen allerdings Privatanlegern, wenn die Gesetzespläne der Bundesregierung Mitte des Jahres umgesetzt werden. Bisher können die Sparer im Gegenwert von 30.000 Euro pro Halbjahr börsentäglich Fondsanteile zurückgeben, ohne auf Kündigungsfristen achten zu müssen. Doch ab 23. Juli drohen neue Regeln. Dann wäre die Rückgabe der Fondsanteile nur noch einmal im Jahr möglich. Außerdem müsste eine zwölfmonatige Kündigungsfrist eingehalten werden und die bisherigen Freibeträge von 30.000 Euro würden für alle Fondsanteile, die ab 23. Juli gekauft werden, entfallen. "Das würde eine Zweiklassengesellschaft bedeuten, die nicht akzeptabel ist", sagt Kutscher. "Das Neugeschäft käme zum Stillstand, weil die Anlage nicht mehr flexibel für die Kunden ist." Deshalb hofft Kutscher, dass diese Regelungen im Gesetzgebungsverfahren noch entschärft werden können. "Für die offenen Immobilienfonds sind Anfang des Jahres neue Regelungen erst in Kraft getreten. Ihre Wirkung sollte man erst einmal abwarten."