Eyes + More

Norddeutscher Optiker expandiert kräftig

Eyes + More aus Bad Segeberg will mit Brillen zum Festpreis die Konkurrenz herausfordern. 20 neue Filialen sind geplant - fünf in Hamburg.

Hamburg. Die Schilder im Schaufenster bei Eyes + More sind nicht zu übersehen, in auffälligem Weiß und Orange sind die Preise aufgedruckt und zeigen jedem, der vorbeigeht, dass es hier um besonders günstige Brillen geht. Drinnen hängen die Gestelle in allen erdenklichen Farben auf Stangen, wo sie der Kunde wie von einer Wäscheleine abnehmen und ausprobieren kann. Eyes + More präsentiert sich als eine Art H&M für Brillen.

Modisch und billig sollen sie sein, und wer so viel spart, soll gerne gleich zwei Modelle nehmen: "Wir sehen die Brille als modisches Accessoire", sagt Jens Peter Klatt, Geschäftsführer der Kette. Die Festpreise sollen die Kunden dazu verführen, Brillen wie Schuhe zu kaufen: unterschiedliche Modelle für verschiedene Anlässe, eine Brille für den Job, eine fürs Ausgehen, eine für den Sport. Schließlich gibt es nur zwei, relativ niedrige Preise bei Eyes + More: 95 Euro für Brillen mit Einstärkengläsern, egal ob der Kunde weit- oder kurzsichtig ist. Und 195 Euro für Gleitsichtbrillen. Die Entspiegelung, gehärtete und auf Wunsch getönte Gläser sind hier inklusive. Zum Vergleich: Im Schnitt kosten Einstärkenmodelle 270 Euro, Gleitsichtmodelle gut 450 Euro.

Die Idee von Eyes + More kommt aus den Niederlanden. Der Optiker Christoph Frommer aus Bad Segeberg expandierte mit dem Konzept 2006 nach Deutschland. Inzwischen gehören 73 Standorte zwischen Passau und Flensburg zu Eyes + More. Unter den größten Filialisten belegen die Nordlichter bereits Platz zehn.

2011 erlösten die Läden 18,5 Millionen Euro. Jetzt will Klatt das Wachstumstempo noch einmal ordentlich erhöhen. "Wir wollen im laufenden Jahr 20 neue Läden eröffnen", sagte er. Einige wenige in Österreich, der Großteil in Deutschland und davon fünf Geschäfte in Hamburg.

An der Alster werben bereits fünf Eyes + More-Geschäfte um die Kunden. Um Franchisepartner für das Konzept zu bekommen, organisiert das Unternehmen jetzt Veranstaltungen in Fußballarenen wie dem Dortmunder Westfalenstadion. Hier sollen junge Optiker auf den Geschmack kommen, sich mit Eyes + More selbstständig zu machen. Immerhin treffen sie auf 40 Millionen Brillenträger in Deutschland, die im Durchschnitt alle 2,8 Jahre eine neue Brille kaufen.

Die Idee aus den Niederlanden stößt in Hamburg allerdings auch auf die äußerst starke Präsenz der Optikerkette Fielmann, die hier auch ihre Zentrale hat. Aber nicht nur der Brillenkönig, der in Deutschland jedes zweite Gestell verkauft, gehört zu den Konkurrenten der niederländischen Angreifer, sondern auch weitere Ketten wie Apollo, Bode und natürlich die zahlreichen Einzelkämpfer unter den Optikern.

Der Wettbewerb ist hart wie selten zuvor, die Großen der Branche sind weiter auf der Suche nach weißen Flecken auf der Landkarte und zahlen dabei hohe Immobilien- und Mietpreise, um neue Geschäfte zu eröffnen.

Außerdem bieten die etablierten Optiker bereits ähnliche Preismodelle wie Eyes + More: So hat Fielmann für seine Kunden die sogenannte Nulltarif-Versicherung im Angebot. Diese bietet dem Versicherten für zehn Euro Prämie im Jahr sofort nach Vertragsabschluss eine Brille aus einer speziellen Nulltarif-Kollektion in Metall oder Kunststoff mit Einstärkengläsern von Zeiss, dann alle zwei Jahre eine Neue, zudem kostenlosen Ersatz bei Bruch, Beschädigung oder Sehstärkenveränderung.

Trotz des harten Wettbewerbs sieht Klatt die Branche derzeit als besonders aufnahmefähig für sein Konzept. "Die Situation ist genau dieselbe wie im Textil- oder Lebensmittelhandel", sagt der Betriebswirt: "Die kleinen Anbieter sind auch in diesen Branchen verschwunden, Ketten haben Tante-Emma-Läden und Boutiquen verdrängt." Klatt kommt aus dem Stahl- und Werkzeughandel, auch hier hat der Handel die Entwicklung bereits durchgemacht - die Baumarktketten wie Praktiker oder Obi haben den alten Eisenwarengeschäften längst die Luft zum Atmen genommen.

Auch in Sachen Brillenkauf finde derzeit ein Lernprozess statt, ist Klatt überzeugt: "Die Kunden werden sich bewusst, dass gute Brillen nicht teuer sein müssen." So biete Eyes + More durch asiatische Partnerfabriken produzierte Gestelle an, die anders als bei teureren Modellen der Luxusmarken Gucci oder Prada, nicht mit hohen Lizenzgebühren belastet seien. Auch Fielmann und Apollo kommen so auf günstige Preise. Aber nicht nur diese Klassiker im Markt setzen auf preissensible Kunden.

Mit sehr hohen Zuwachsraten drängen Internetanbieter in den Markt. Branchenprimus ist hier Brille24.de, aber auch Mister Spex aus Berlin setzt auf den E-Commerce. Brille24.de wirbt derzeit etwa mit einer braunen Kunststoffbrille, inklusive Gläsern in einer Stärke bis +10/-10 inklusive Entspiegelung, Extrahärtung und Tönung auf Wunsch für 39,90 Euro. Ein weiterer Online-Anbieter ist Mister Spex, das Unternehmen verschickt täglich bis zu 4000 Brillen aus einem Hinterhof am Prenzlauer Berg und wurde 2012 als "Onlineshop des Jahres" ausgezeichnet. Hier stehen Marken wie Ray-Ban oder Polo Ralph Lauren im Vordergrund, aber ebenfalls der Preis: Die unverbindlichen Preisempfehlungen sind auf der Homepage bei vielen Modellen durchgestrichen und mit einem Nachlass versehen, eine schwarz-weiße Ray-Ban gibt es hier beispielsweise für 135 Euro inklusive der Gläser.

Bisher steckt das Internetgeschäft in der Optikerbranche noch in den Kinderschuhen, nur etwa 1,2 Prozent der Fassungen bestellen die Kunden online. Allerdings sind die Zuwachsraten in diesem Bereich riesig, sodass auch der stationäre Handel immer wieder mit diesem Thema konfrontiert wird. Fielmann beispielsweise hält sich hier aber noch zurück, weil das Internet keine Tests in Sachen Sehstärke und Zentrierung der Gläser bietet.

Für Eyes + More ist der Vertrieb über das Netz allerdings schon eine Option: Es gebe große Fortschritte in der Technologie, sich am Bildschirm passende Gestelle auszusuchen, schwärmt Klatt. "Vielleicht ist irgendwann doch eine Augenprüfung im Internet möglich", sagt der 45-Jährige. "Spätestens dann sind wir auch im Netz."