ThyssenKrupp

Aufsichtsräte-Verband drängt Cromme zum Rücktritt

Kurz vor der Hauptversammlung des größten deutschen Stahlkonzerns wird die Kritik an Cromme auch aus der Wirtschaft immer lauter.

Düsseldorf. Vor der Hauptversammlung des Dax-Konzerns am Freitag (18. Januar) in Bochum wächst auch in der Wirtschaft die Kritik an ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Der Vizepräsident des Verbandes der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD), Peter Dehnen, drängte den 69-jährigen Manager zum Rücktritt. „Cromme hat eine Vorbildfunktion. Doch der wird er nicht gerecht. Deshalb sollte er sein Mandat niederlegen“,

Als Aufsichtsratschef bei Siemens habe Cromme den Korruptionsskandal mit beispielhafter Entschlossenheit aufgeklärt und das Vertrauen in das Unternehmen wiederhergestellt. Bei dem von ihm über Jahrzehnte mitgeprägten Stahlkonzern habe er die Aufklärungsarbeit dagegen nicht mit der gleichen Konsequenz vorangetrieben, kritisierte Dehnen.

Auch der Vorsitzende der mächtigen Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, werde darüber nachdenken müssen, „ob der Neuanfang bei ThyssenKrupp den Aufsichtsrat in seiner Konfiguration und Arbeitsethik unberührt lassen kann“, sagte der VARD-Vizepräsident. Die Krupp-Stiftung entsendet als größter Aktionär drei Vertretern in den ThyssenKrupp-Aufsichtsrat, einer von ihnen ist Cromme.

Auf der Hauptversammlung müssen Vorstand und Aufsichtsrat wegen der Milliardenverluste durch Fehlinvestitionen im Stahlgeschäft, wegen der Kartellskandale und der Luxusreisen-Affären mit scharfer Kritik der Aktionäre rechnen. Im Zentrum der Kritik steht ThyssenKrupp-Chefaufseher Gerhard Cromme. Aktionärsschützer haben bereits empfohlen, dem Vorstand und dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Sie wollen eine namentliche Abstimmung über die Entlastung jedes einzelnen Aufsichtsratsmitglieds fordern.

Bereits in der Vergangenheit war bei den Hauptversammlungen von ThyssenKrupp namentlich über die Entlastung der einzelnen Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat abgestimmmt worden. Bei dem Aktionärstreffen im vergangenen Jahr hatte Cromme hatte eine Zustimmungsquote von 94,84 Prozent erhalten.

„Das Eis wird langsam dünn, auf dem Herr Cromme sich bewegt“, sagte der Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Markus Dufner. Die Aktionärsvereinigung fordert den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden. Allerdings sei angesichts des Gewichts der Kruppstiftung, mit 25,3 Prozent wichtigster Einzelaktionär, nicht damit zu rechnen, dass Cromme die Entlastung verweigert werde, sagte Dufner.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr war der Stahl- und Anlagenbauer wegen hoher Abschreibungen auf zwei Stahlwerke in Brasilien und den USA mit rund 5 Milliarden Euro tief in die Verlustzone gestürzt. Außerdem stand das Unternehmen wegen Kartellvorwürfen wochenlang in den Schlagzeilen.

Für das zum Verkauf stehende Stahlwerk des Konzerns in Alabama hat nach Informationen des „Wall Street Journals“ der weltweit größte Stahlkonzern ArcelorMittal ein Angebot 1,5 Milliarden Dollar abgegeben. Ein ArcelorMittal-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Bei ThyssenKrupp verwies man auf den laufenden Verkaufsprozess, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.