Air Berlin streicht 900 Stellen - Kündigungen nicht ausgeschlossen

| Lesedauer: 2 Minuten
Peter Maushagen

Neuer Unternehmenschef setzt rigides Sparprogramm um

Frankfurt am Main. Eine Woche nach seinem Amtsantritt macht der neue Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer ernst und streicht jede zehnte Stelle. Insgesamt sollten rund 900 Arbeitsplätze wegfallen, betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluglinie mit. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien eingeleitet worden. Betroffen seien Mitarbeiter in allen Unternehmensbereichen - sowohl Piloten und Flugbegleiter als auch die Angestellten am Boden und in der Verwaltung, sagte ein Konzernsprecher. Bis Ende 2014 will die Airline mit 9300 Mitarbeitern, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, insgesamt die Kosten um 400 Millionen Euro senken. Ziel sei es, Air Berlin "profitabel und somit nachhaltig zukunftsfähig zu machen".

Ex-Konzernlenker Hartmut Mehdorn hatte den verschärften Sparkurs bereits im November angekündigt, jedoch keine Details genannt. Nach einer übereilten Expansion und hohen Verlusten befindet sich Air Berlin schon seit einiger Zeit in einer harten Sanierung. Zuletzt hatte die Airline 2007 einen Jahresüberschuss eingeflogen. Mehdorn musste eingestehen, dass Air Berlin ohne ein weiteres Schrumpfprogramm nicht flottzukriegen sei. Er hatte bereits das Streckennetz zusammengestrichen und den Verkauf überflüssiger Flugzeuge angestoßen. Die Maßnahmen sollten die Kosten 2012 um 230 Millionen Euro drücken.

Wichtigster Coup war aber die Rettung durch Etihad: Mehdorn hatte die kapitalkräftige Airline Ende 2011 an Bord geholt - das Unternehmen aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi stieg mit knapp 30 Prozent bei Air Berlin ein und half seitdem mit mehr oder weniger direkten Finanzspritzen aus. Vorige Woche hatte Mehdorn aber auf Druck des Großaktionärs die Flinte ins Korn geworfen und seinen Hut genommen. Richtig bekannt wurde Mehdorn als Chef der Bahn - er führte das Staatsunternehmen fast zehn Jahre lang.

Sein Nachfolger im Cockpit von Air Berlin ist Prock-Schauer, der bei der Fluglinie zuvor die Streckenplanung verantwortete. Der 56-jährige Österreicher, der erst im Herbst anheuerte, soll das harte neue Sparprogramm "Turbine" nun durchboxen. Air Berlin will sich auf seine Kernmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz und profitable Strecken konzentrieren. Die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf sollten ausgebaut und die Zahl der Flüge nach Mallorca erhöht werden. An anderer Stelle stehen Kürzungen an. "Das auf zwei Jahre angelegte Programm geht über alle Unternehmensbereiche hinweg", hieß es in der Mitteilung. Weitere Einschnitte macht Air Berlin bei seiner Flotte: Die Zahl der Flugzeuge solle im Vergleich zu Ende September um 16 nur noch auf 142 sinken. Auf dem Hochpunkt seiner Expansionsstrategie zählte der Lufthansa-Konkurrent knapp 180 Maschinen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft