Discounter

„Aldi wird zunehmend zu einer Art Warenhaus“

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Volker Danisch

Der Insider Dieter Brandes und Sohn Nils über die Zukunft des Unternehmens. Ersterer galt lange als Vertrauter von Theo Albrecht.

Hamburg. Dieter Brandes stand ein Jahrzehnt lang an der Seite von Theo Albrecht und galt als Vertrauter des Aldi-Gründers. Er gehörte dem dreiköpfigen Führungsgremium von Aldi Nord, dem Verwaltungsrat, zehn Jahre bis Ende 1985 an. Mit seinem Sohn Nils berät der Insider heute weltweit Handelsunternehmen. Der beiden Experten beantworteten schriftlich Fragen zur möglichen Zukunft von Aldi. Aktive Manager des Unternehmens geben grundsätzlich keine Interviews.

Nähern sich Discounter und Supermärkte an?

Dieter und Nils Brandes: „Was das Sortiment angeht, nähern sich beide tatsächlich an: Discounter erweitern ihre Sortimente, Aldi ergänzt um Markenartikel, Supermärkte haben ihre Eigenmarken ausgeweitet und folgen den Preisen von Aldi und Lidl. Aldi jedoch tendiert zu einem neuen Format, das es bisher nicht gab: Aufgrund des steigenden Non-Food-Anteils – Artikeln, die nicht zum Kernsortiment Lebensmittel gehören – wird Aldi zunehmend zu einer Art Warenhaus. Aldi Süd hat kürzlich viele Filialen erweitert mit einem weiteren Gang für Non Food. Aldi verkauft deutlich mehr als 3000 Non-Food-Artikel pro Jahr. Der Umsatzanteil beträgt 20 Prozent, bald vielleicht 30 Prozent.“

Ist der Aldi-Aufbau mit vielen Regionalgesellschaften noch zeitgemäß?

Dieter und Nils Brandes: „Früher war es zwar auch wichtig, Konzernstrukturen mit umfassenden Publikationspflichten und Gesamtbetriebsrat zu vermeiden. Die Regionalgesellschaften sind aber vor allem eine wesentliche Methode, um Komplexität zu vermeiden. Kleine Einheiten sind überschaubarer, einfacher zu managen, produzieren bessere Ergebnisse. Aus unserer Sicht könnte Aldi sich sogar nochmals teilen. Beispielsweise in Aldi Nordwest und Nordost oder Aldi Südwest und Mitte mit jeweils 17 Regionalgesellschaften.“

Muss auch Aldi irgendwann einen Internetshop eröffnen?

Dieter und Nils Brandes: „Muss nicht. Blumen haben sie schon. Sie werden sich aber sicherlich damit beschäftigen und das eventuell testen. Für Lebensmittel ist das allerdings ein zweifelhafter Weg. Besonders für einen Discounter, der niedrigste Kosten und niedrigste Verkaufspreise braucht. Und zu selten noch wird heute die Problematik der Zustellung an die Haustür beachtet.“

Verwässern Markenartikel wie Coca-Cola das Aldi-Discountprinzip?

Dieter und Nils Brandes: „Ja, aus unserer Sicht ein starker Verstoß gegen das erfolgreiche Aldi-Prinzip. Aldi wird Lidl immer ähnlicher. Zum Discountkonzept gehört, möglichst viele Eigenmarken zu verkaufen. Wenn man die gleiche oder bessere Qualität anbieten kann, streicht man die Industriemarke und bietet einen wesentlich niedrigeren Preis.

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