"An der Elbvertiefung hängen 150 000 Jobs"

Hafenarbeiter demonstrieren gegen Stopp der Ausbaggerung. Treffen mit Naturschützern

Hamburg . Mehr als 1500 Hafenarbeiter haben am Freitag in Hamburg unter dem Motto "Es ist fünf vor zwölf" für die Elbvertiefung demonstriert. Bei der Abschlusskundgebung auf dem Rathausmarkt wies Hamburgs Ver.di-Chef Wolfgang Abel auf die große Bedeutung des Hafens als Arbeitgeber hin. "Unser leistungsfähiger Hafen ist ein Job-Motor", sagte der Gewerkschafter. Bis zu 150 000 Arbeitnehmer und ihre Familien in der Metropolregion hingen direkt und indirekt am Hafen und damit an der Elbvertiefung. "Die gesamte Nordregion und nicht nur Hamburg braucht die Fahrrinnenanpassung", sagte der Gewerkschafter.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte Mitte Oktober nach Klagen von Umweltschutzverbänden alle Arbeiten zur Elbvertiefung in einem Eilverfahren vorläufig gestoppt. Mit einer endgültigen Entscheidung des Gerichts wird nun nicht mehr vor Ende 2013 gerechnet. Gewerkschafter Abel zeigte in seiner Rede auch Verständnis für Ängste in Teilen der Bevölkerung vor der Elbvertiefung. Man müsse sich zwar mit "einigen wenigen völlig abgedrehten Ökopredigern auseinandersetzen, die zum Teil auf der Basis einer intellektuellen Zentralverriegelung argumentieren. Aber es gibt auch Bürger, die ernsthaft besorgt sind", sagte der Ver.di-Landeschef. Die Gewerkschaft sucht nun das Gespräch mit den Umweltverbänden. Am 3. Dezember soll es ein Treffen mit deren Vertretern geben.

Kein Verständnis zeigte Abel für einen Vorschlag des Präsidenten des Unternehmensverbands Hafen Hamburg (UVHH), Gunther Bonz. Der Manager hatte nach der Entscheidung der Richter vorgeschlagen, die Hafenanlaufgebühren vorübergehend zu senken und die Mindereinnahmen mit Geld auszugleichen, das für die Umweltverbände und die Stiftung zur Förderung des Lebensraums Elbe vorgesehen ist. "Dies ist eine Schnapsidee. Wer so denkt und agiert, der muss sich fragen lassen, ob er ein Problem lösen oder sich zum Teil des Problems machen will", sagte der Gewerkschafter. Das Nein zum Vorschlag des Hafenverbands wertete der BUND am Freitag positiv. "Das ist ein gutes Signal, um wieder in eine sachliche Debatte einzusteigen", sagte Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

Hamburgs ehemaliger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) unterstützte dagegen die Forderung der Hafenwirtschaft. "Wir müssen offensiv die Position vertreten, dass wir die Vertiefung brauchen und den Reedern signalisieren, dass wir ihnen so weit entgegenkommen, wie wir können", sagte Uldall dem Abendblatt.