Technologiekonzern

Sparen lautet die Devise bei Siemens

Zu hohe Ausgaben und teure Pannen haben Siemens das Jahr verhagelt. Konzernchef Löscher hat ein Sparprogramm angekündigt.

München. Siemens-Chef Peter Löscher wirft das Ruder herum. In der Wirtschaftskrise hat er kräftig investiert, damit Europas größter Elektrokonzern beim nächsten Aufschwung ganz vorn mit dabei ist. Aber die Flaute hält an, und die Kosten sind zum Ballast geworden. Am Donnerstag, wenn Löscher die magere Jahresbilanz vorlegt, erwartet die Börse Klartext. Mit Einsparungen von bis zu 4 Milliarden Euro soll Siemens wieder Anschluss an die Konkurrenz finden.

Der Umsatz in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 dürfte gestiegen sein – die Analysten erwarten einen Zuwachs von 73,5 auf 77,85 Milliarden Euro. Aber der Gewinn ist eingebrochen. Nach dem Vorjahresergebnis von 7,0 Milliarden Euro nach Steuern im Kerngeschäft hat der Konzern für dieses Jahr zuletzt nur noch 5,2 Milliarden in Aussicht gestellt. Und Löscher hat bereits den Kurswechsel ausgerufen: Sparen heißt jetzt die oberste Devise.

Denn die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen. In den ersten neun Monaten ist der Umsatz um 7 Prozent gewachsen, aber die Vertriebs- und Verwaltungskosten haben um 8 Prozent zugelegt, die Forschungs- und Entwicklungskosten sogar um 13 Prozent. Viel zu viel, hatte Löscher im Oktober vor Siemens-Managern erklärt.

Denn gleichzeitig hatten auch noch hausgemachte Probleme bei großen Projekten die Gewinnmarge weiter gedrückt. Abschreckendstes Beispiel ist die Anbindung der Windparks weit draußen in der Nordsee an das Stromnetz an Land. Während sich die Konkurrenz vorsichtig herantastete, nahm Siemens gleich mehrere Aufträge auf einmal an, stand plötzlich vor unzähligen technischen und bürokratischen Problemen und musste mehr als 500 Millionen Euro Lehrgeld zahlen.

Auch das Solargeschäft wurde zu rosig eingeschätzt – wie die „Financial Times Deutschland“ am Montag berichtete, machte es 2012 weitere 250 Millionen Euro Verlust. Hier zog Löscher schon die Reißleine, das Geschäft wird abgestoßen. Andere schwächelnde Bereiche stehen noch auf dem Prüfstand.

Hat Löscher Siemens überfordert mit dem erklärten Ziel, den Umsatz mittelfristig auf 100 Milliarden Euro hochzutreiben? Fehlkäufe, überbordende Kosten und Projektpannen führten auf jeden Fall dazu, dass die Gewinnmargen einbrachen. Er sei „nicht zufrieden“, sagte Löscher. Siemens wolle nicht “irgendwo im Mittelfeld dümpeln“.

Vor allem der erst vor einem Jahr neu geschaffene Sektor Infrastruktur und Städte fiel weit hinter die Konkurrenz zurück. Im Geschäft mit Stromnetzen schaffte Siemens in den ersten neun Monaten nur noch eine Ergebnismarge von 6,0 Prozent, mit Gebäudetechnik 5,3 Prozent und im Zug- und Bahngeschäft sogar nur noch 3,8 Prozent.

Von der Weltwirtschaft kann Siemens keinen Rückenwind erwarten - der Auftragseingang des Konzerns ist zuletzt stark gesunken. In der Windsparte und im Transformatorengeschäft gibt es weltweit Überkapazitäten und Preisdruck. Deshalb will Löscher Kosten sparen - beim Einkauf, bei Forschung und Entwicklung, durch Abbau von Bürokratie, das Abschaffen von Doppelfunktionen und einen schlankeren Vertrieb. Mindestens 1,5 Milliarden weniger Kosten in den nächsten drei Jahren erwartet die Deutsche Bank – mindestens doppelt so viel die Berenberg-Bank.

Das wird auch Arbeitsplätze kosten. In Deutschland hat Siemens die Zahl der Stellen seit 2011 um 2000 auf 129 000 erhöht. Aber bei Osram, im Nürnberger Trafo-Werk und bei der Getriebefertigung für Windräder werden bereits Stellen abgebaut. Der Betriebsrat zog jetzt eine rote Linie: „Einen Personalabbau nach der Rasenmäher-Methode wie beim letzten Mal wird es mit uns nicht geben“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Lothar Adler dem Berliner „Tagesspiegel“ (Montag). Wo Stellen abgebaut würden, müssten die Mitarbeiter qualifiziert und an anderer Stelle eingesetzt werden. Löscher hat keine Vorgaben gemacht – jeder Bereich soll selbst entscheiden, wie sein Geschäft wieder profitabler wird. Für nächstes Jahr erwarten die Analysten im Durchschnitt einen leichten Gewinnanstieg auf 5,5 Milliarden Euro.