Anleger verklagen Griechenland

Schutzvereinigung rät zu Schadenersatzforderungen. Durchschnittlicher Verlust: 20 000 Euro

Berlin. Deutsche Anleger ziehen wegen ihrer Verluste beim Zwangsumtausch griechischer Anleihen vor Gericht. Rund 4000 Kleinanleger wollen sich ihre Einbußen von durchschnittlich bis zu 20 000 Euro über Schadenersatzklagen gegen Griechenland an deutschen Gerichten zurückholen, berichtete die Anlegerschutzvereinigung DSW am Freitag. "Es werden noch deutlich mehr werden", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler voraus.

Hinzu kämen institutionelle Anleger wie Vermögensverwalter, die Anleihen über 60 Millionen Euro hielten. Gegen den Staat Griechenland klagen kann nach DSW-Einschätzung jeder Anleger, der dem Zwangsumtausch seiner Hellas-Bonds beim Schuldenschnitt nicht zugestimmt hat.

Mit dem Forderungsverzicht privater Gläubiger Griechenlands wie Banken, Versicherungen und Fonds über mehr als 100 Milliarden Euro konnte die Pleite des Landes vorerst abgewendet werden. Vertreter von privaten Kleinanlegern seien an den Umschuldungsverhandlungen aber nicht beteiligt gewesen und die Anleger damit quasi enteignet worden, kritisierte Tüngler. "Hier wurde auf dem Altar der Euro-Rettung die Rechtssicherheit der Anleger geopfert - und ihr Geld." Die DSW empfiehlt Anlegern, Klagen an ihrem Wohnort einzureichen. Diese könnten dann gebündelt werden, was die Anwaltskosten um 50 bis 80 Prozent drücken könnte. Erste Klagen seien bereits eingereicht worden, viele weitere in nächster Zeit zu erwarten.

Anders als in den USA seien Sammel- oder Musterklagen nicht möglich oder wegen drohender Verjährung ungeeignet. "Wer Geld haben will, muss selbst klagen", sagte Tüngler. Infrage käme eine Klage nach DSW-Schätzungen für private und institutionelle Anleger, die insgesamt ein Anleihevolumen von fünf bis sechs Milliarden Euro hielten. Die Chancen auf Erfolg vor Gericht stünden gut.