"Ich will ein Smartphone!"

Teenie-Wünsche – wie Eltern die Kosten im Griff behalten

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Andreas Heimann

Smartphones sind hip: Kein Wunder, dass schon Zwölfjährige eins haben wollen. Eltern sollten mit Blick auf Kosten nicht gleich Ja sagen.

Berlin. Handys mit Tastatur sind für viele Teenager sowas von vorgestern. Mindestens der Touchscreen muss sein, am besten aber ein Apple-Logo. Eltern, die dem Wunsch nach einem Smartphone zu schnell nachgeben, müssen sich auf einiges gefasst machen: im Zweifelsfall auf mehrere hundert Euro bei den Kosten für das hippe Mobiltelefon – und wenn es dumm läuft, auf horrende Summen, wenn bei der mobilen Internetnutzung das ein oder andere schief geht.

Der Stellenwert, den Smartphones bei Jugendlichen haben, sei erheblich höher geworden, sagt Bernd Klusmann, Bereichsleiter Kommunikationstechnologie beim IT-Branchenverband Bitkom. „Früher war es für 18-Jährige ganz wichtig, den Führerschein zu machen und ein Auto zu haben.“ Heute sei es viel prestigeträchtiger, über Markenhandys den Kontakt zu Freunden zu halten. „Es gibt schon Fünftklässler, die ein iPhone haben“, ergänzt Karin Thomas-Martin, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Wir haben gar keine Vorstellung davon, wie groß der Druck auf Kinder und Jugendliche ist, ein Smartphone zu besitzen“, sagt die Mitarbeiterin der Beratungsstelle in Ulm.

+++ Kinder kriegen soviel Taschengeld wie nie zuvor +++

Mittlerweile haben gut drei Viertel der Kinder (78 Prozent) in Deutschland ein eigenes Handy, 17 Prozent davon ein Smartphone. Das zeigt die Kids-Verbraucher-Analyse (KidsVA), für die 1650 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren befragt wurden. Haben Eltern ein Smartphone, dürfen es 43 Prozent der Kinder mitbenutzen.

Jugendliche schätzen die Geräte nach Klusmanns Beobachtung ganz anders als Erwachsene. „Ein Smartphone ist heute wie ein kleiner Computer.“ Telefonieren ist längst nicht mehr die wichtigste Funktion. Das kennt Klusmann aus eigener Erfahrung: „Meine Tochter wollte für ihr Smartphone vor allem eine SMS-Flat. Da wird eben ganz viel geschrieben und weniger telefoniert.“

„Ich kenne das aus meinem privaten Umfeld auch“, sagt Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Das geht so mit 12, 13 los. Die Frage ist, muss es wirklich gleich ein Smartphone sein?“ Wenn es zum Beispiel darum geht, dass ein Kind im Bus auf dem Weg nach Hause erreichbar ist, reiche ein einfaches Handy.

Wichtig ist Jugendlichen in jedem Fall die Optik: „Sie wollen kein Gerät mit Tasten mehr haben“, sagt Klusmann. „Touchfunktion ist ganz wichtig.“ Bei der Kaufentscheidung spiele allerdings auch der Preis eine wichtige Rolle – nicht jeder kann 600 Euro investieren.

Smartphones sind aber nicht nur in der Anschaffung teuer – sie können auch erhebliche weitere Kosten verursachen. Die wichtigste Möglichkeit, dieses Risiko zu verringern, ist eine Drittanbietersperre. „Die sollte man unbedingt einrichten“, sagt Thomas-Martin. „Das geht mit einer Nachricht per Mail oder telefonisch an den Mobilfunkanbieter.“ Sicherheitshalber sollten Eltern auf eine Auftragsbestätigung achten. Drittanbieter sind immer wieder für Abzocke in der Kritik – etwa durch überhöhte Kosten für Musik- oder Videoabos.

Trotz neuer gesetzlicher Regelungen, die davor schützen sollen, gebe es immer noch überhöhte Rechnungen, ergänzt Körber. Manchmal gehe es nur um kleine Beträge – „45 statt 40 Euro, die dann abgebucht werden.“

Wichtig sei außerdem zu checken, ob es sich bei Prepaidkarten tatsächlich um solche handelt: „Es gibt Anbieter, bei denen Prepaid draufsteht, aber nicht drin ist“, warnt die Verbraucherschützerin. „In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht dann, dass weitere Kosten entstehen können.“ Überprüfen lasse sich das über die Guthabenabfrage per Shortcode – also die Tastenfolge *100#. Diese Funktion lasse sich nur bei „echten“ Prepaidkarten nutzen, erklärt Thomas-Martin.

„Vom Funktionsumfang her sind die Unterschiede meistens minimal“, sagt Heinz Thiery von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Es geht fast immer ums Prestige: „Das iPhone ist bei Jugendlichen Kult. Und wenn es nicht so teuer wäre, würde Apple davon noch viel mehr verkaufen“, erklärt der Leiter der bke-Onlineberatung. Für Apple spreche, dass das Betriebssystem für die Apple-Hardware entwickelt wurde. „Android läuft auf unterschiedlicher Hardware. Das hat bei der Markteinführung neuer Geräte immer wieder Probleme gemacht.“ Davon abgesehen unterschieden sich die Smartphones fast nur im Detail.

Thiery empfiehlt ohnehin, sich zunächst Gedanken um den Tarif zu machen und danach zu gucken, welches Smartphone es sein soll. „Jugendliche machen es meistens andersherum.“ Und der Handel weiß das auch: „Die Must-have-Geräte sind meist an die teuren Tarife gebunden“, warnt Thiery. „Das ist schon eine clevere Strategie.“ Ist ein gefragtes Smartphone günstig zu haben, dann nur im Zusammenhang mit Verträgen, die nicht günstig sind. „Und die üblicherweise 12 oder sogar 24 Monate Laufzeit haben.“

Prepaidkarten, bei denen sich die Kosten festlegen und damit besser begrenzen lassen, können eine Alternative sein. „Die Internetnutzung ist damit aber teurer als bei Verträgen“, erklärt Thiery. „Wenn das Smartphone das Notebook oder den PC ablösen soll, dann ist eine Flatrate vernünftig.“ Bei einer Prepaidkarte ohne Flatrate ist die Gefahr sonst groß, dass das Datenvolumen für die Internetnutzung ratzfatz verbraucht ist. „Das höchste Datenaufkommen gibt es bei Datenstreaming, wie beim Videogucken.“

Und Musikvideos anschauen ist bei vielen Jugendlichen Standard. „Wenn das jemand oft macht, ist die Prepaidkarte ganz schnell leer“, warnt der Experte. Ein langfristiger Vertrag hat allerdings einen weiteren Nachteil: „Handys gehen schnell verloren“, sagt Thomas-Martin. „Und wenn ich dann einen teuren Vertrag habe, zahle ich den weiter.“ Besser sei deshalb eine Prepaidkarte kombiniert mit einer Datenflatrate.

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