Anleger

Goldbarren und Münzen fast ausverkauft

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Verunsichert durch die Euro-Krise greifen immer mehr Anleger zu Gold, das als sichere Investition gilt. Bei einzelnen Produkten gibt es dadurch schon jetzt Engpässe. Wer sich vom Ansturm auf die Münzen und Barren anstecken lässt, sollte beim Kauf genau hinschauen: es gibt große Preisunterschiede.

Im Golf-Emirat Abu Dhabi können Anleger Gold neuerdings schon in aller Ruhe am Automaten kaufen. Ein deutsches Unternehmen stellte ihn vergangene Woche im Luxus-Hotel Emirates Palace auf. Hierzulande müssen die Sparer sich dagegen anstellen, wenn sie überhaupt noch Gold ergattern wollen. "Es gibt Engpässe", bestätigt eine Sprecherin der Commerzbank. Barren zu 100 Gramm und die beliebteste Münze, der Krügerrand, seien nicht mehr in allen Filialen erhältlich.

Auch bei der HypoVereinsbank müssen die Kunden bei einigen Barrengrößen und Münzen mit längeren Lieferzeiten rechnen. Und beim Online-Händler Pro Aurum ist derzeit sogar eine ganze Reihe weiterer Barrengrößen nicht mehr verfügbar. Zudem müssen die Kunden mit einer Bearbeitungszeit von bis zu zwei Wochen rechnen, aufgrund der hohen Nachfrage.

Goldverkäufern werden derzeit die Türen eingerannt. Aufgeschreckt durch die Euro-Krise, verunsichert durch die Debatten um einen Wertverlust des Geldes flüchten immer mehr Anleger in Gold. Und was sich dabei an den Tresen der Bankfilialen abspielt ist sogar nur die Spitze des Eisbergs. Denn die meisten Goldkäufer nehmen das Edelmetall gar nicht mal mit nach Hause oder verwahren es in einem kostenpflichtigen Schließfach.

Sie kaufen lieber Anteile an einem Gold-Indexfonds, der mit physischem Gold hinterlegt ist. Der größte derartige Fonds, der SPDR Gold Trust, verzeichnete allein in den vergangenen vier Wochen einen Zuwachs um 76 Tonnen. Bei einem Goldpreis von rund 1000 Euro je Feinunze (31,1 Gramm) entspricht dies einem Wert von rund 2,5 Mrd. Euro. Insgesamt verfügt der Fonds bereits über 1217,1 Tonnen Gold und ist damit fast 40 Mrd. Euro wert.

Hinzu kommt, dass auch die Spekulanten derzeit voll auf einen weiter steigenden Goldpreis setzen. Die Zahl der entsprechenden Kontrakte an den amerikanischen Terminbörsen ist nach Angaben der US-Aufsichtsbehörde CFTC allein in den vergangenen sechs Wochen von 60.000 auf über 200.000 gestiegen und hat damit fast wieder das Rekordhoch vom Oktober vergangenen Jahres erreicht.

Gold ist die Fluchtwährung dieser Tage - und dies obwohl gleichzeitig der Dollarkurs steigt. Dies ist höchst ungewöhnlich, denn üblicherweise verhalten die US-Währung und das Edelmetall sich gegensätzlich. Gold dient als sicherer Hafen, wenn der Dollar unter Druck steht, doch wenn der Dollar erstarkt, sehen die Anleger keinen Bedarf mehr für Gold-Investments. Doch diesmal ist es anders. Offensichtlich halten die Investoren den Dollar trotz steigenden Werts gegenüber dem Euro längst nicht für die bessere Alternative. Angesichts der horrenden Verschuldung der Staaten auf beiden Seiten des Atlantiks sehen die Anleger nur Gold als wirklich sicheren Hafen.

Allerdings gibt es durchaus auch Menschen, die sich von der Panik nicht anstecken lassen, sondern die hohen Goldpreise nun nutzen, um Schmuck oder Münzen gewinnbringend zu verkaufen. "Auch für uns sind derzeit wahrhaft goldene Zeiten", sagt beispielsweise Peter Kirchgessner, der auf Frankfurts Haupteinkaufsstraße Zeil einen Goldankauf betreibt. 30 bis 40 Prozent mehr Gold als vor einem Jahr brächten die Kunden derzeit zu ihm. Meist handele es sich dabei um Schmuck. Dieser wird dann eingeschmolzen und anschließend entstehen daraus neue Barren, Münzen oder Preziosen, die dann wieder verkauft werden.

Geht es nach John Higgins von Capital Economics, einem der größten unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitute, das vor allem Großanleger berät, so liegen die Goldverkäufer derzeit durchaus richtig. "Wenn nicht noch eine große Volkswirtschaft pleite geht oder der Dollar kollabiert, dürfte der Goldpreis bis Ende des Jahres wieder unter 1000 Dollar fallen", glaubt er. Auch Heinrich Peters von der Landesbank Hessen-Thüringen warnt vor zu viel Euphorie rund um den Goldpreis. "Sofern es zu keinen geopolitischen Verwerfungen oder Finanzmarktschocks kommt, werden die Bäume auch bei Edelmetallen nicht in den Himmel wachsen." Gold weise bereits eine "stolze relative Bewertung" auf.

Allerdings fürchten die Gold-Fans ja gerade das: weitere Schocks an den Finanzmärkten, neue Verwerfungen, einen Zusammenbruch des Finanzsystems. Für sie ist der Wert des Goldes in Euro gerechnet daher meist auch zweitrangig, entscheidend ist für sie die Sicherheit, die es ihnen bietet.

Wer zu diesen Schwarzsehern gehört, sollte aber dennoch beim Kauf des Edelmetalls sich nun nicht von dem Ansturm auf die Goldverkaufsstellen anstecken lassen und dabei alle Wirtschaftlichkeitserwägungen über Bord werfen. Denn zum einen gibt es enorme Preisunterschiede bei dem Edelmetall. Einen guten Überblick, meist mit tagesaktuellen Kursen, bietet hier die Internetseite www.bullionpage.de. So kostete der Ein-Kilo-Barren gestern bei der HypoVereinsbank beispielsweise 31 805 Euro, bei der Commerzbank dagegen 32 270,50 Euro - fast 500 Euro mehr. Ähnliche Differenzen gibt es auch bei anderen Barren oder bei Münzen.

Und zum anderen gibt es derzeit zwar Engpässe bei einzelnen Produkten, meist bei den gängigsten wie dem 100-Gramm-Barren oder dem Krügerrand. Alle anderen Größen und Münzen sind aber meist problemlos erhältlich. "Und es gibt ja keinen Grund, warum diese nicht genau so gut als Anlage dienen sollten", sagt die Commerzbank-Sprecherin. Nach Abu Dhabi muss also niemand fliegen, wenn er unbedingt Gold kaufen möchte.

Quelle: Welt Online