Fluggäste sollen schneller abheben

EU-Kommission fordert mehr Wettbewerb bei der Bodenabfertigung und unter den Airlines

Brüssel. Weniger Verspätungen für europäische Fluggäste: Das will die EU-Kommission über mehr Wettbewerb bei der Abfertigung am Flughafen und bei der Vergabe von Start- und Landeerlaubnissen erreichen. "Wir stehen vor einer erheblichen Überlastung", sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas gestern in Brüssel bei der Vorstellung der Pläne. "Wenn wir nichts tun, werden 19 der wichtigsten europäischen Flughäfen 2030 einfach voll sein." Es drohten Verspätungen bei der Hälfte aller Flüge. Fünf EU-Airports operieren laut EU-Kommission bereits jetzt an der Kapazitätsgrenze, darunter Frankfurt und Düsseldorf.

Doch Kallas stößt mit seinen Vorschlägen auf erheblichen Widerstand. Bei Flughafenbetreibern besonders umstritten sind Pläne für mehr Konkurrenz bei der Bodenabfertigung. Das Personal dort betankt und wartet zum Beispiel die Maschinen, verlädt Gepäck, kontrolliert und versorgt Passagiere. Laut Kallas sind 70 Prozent der Verspätungen auf Verzögerungen am Boden zurückzuführen. Bisher schreibt die EU nur mindestens zwei Anbieter für Bodenverkehrsdienste vor. Einer davon kann der Flughafen selbst sein. Die Mindestzahl soll nun auf drei erhöht werden. Mit dieser Idee bringt Kallas den deutschen Flughafenverband ADV gegen sich auf, der niedrigere Löhne befürchtet. Der internationale Dachverband ACI sowie Gewerkschaften teilen diese Sorge. Ein Sprecher des Flughafens München warnte vor sinkenden Qualitäts- und Sicherheitsstandards.

Die europäischen Fluglinien hingegen erhoffen sich mehr Qualität und niedrigere Preise. Sie stört allerdings, dass Kallas den Fluglinien Start- und Landezeiten entziehen will, wenn sie diese sogenannten Slots nicht ausreichend nutzen. Der europäische Dachverband AEA moniert, Unternehmen könnten ihre Rechte bei schlechter Geschäftslage zu schnell verlieren. Vorschläge, dass Fluggesellschaften Slots untereinander handeln können, begrüßt die AEA allerdings. Kallas Vorschläge benötigen die Billigung des Europaparlaments und der Regierungen in den EU-Ländern.