Fahrten mit leeren Containern kosten Milliarden

Experten sehen erhebliches Einsparpotenzial. Hamburger wollen Reedereien mit neu entwickelter Software unterstützen

Hamburg. Der Transport von leeren Containern über lange Strecken nimmt zu. Für die Reedereien bedeutet das steigende Kosten. Die Stahlkisten müssen dort stehen, wo es Ladung gibt. Leertransporte aber bringen kein Geld. Spezialisten wie die Hamburger Unternehmensberatung Nielsen + Partner bieten Schifffahrtsunternehmen Softwareprogramme als Ergänzung zu deren interner Logistik an, um die Zahl der Leerfahrten zu verringern. "Das Potenzial für eine Vermeidung von Leerfahrten und damit zur Senkung von Kosten ist signifikant", sagte Sven Mathes dem Abendblatt, bei Nielsen + Partner Geschäftsführer für den Bereich Transport und Logistik.

Mathes sagte nicht konkret, wie stark eine Reederei ihre Leerfahrten reduzieren könne. Das hänge von zu vielen Faktoren ab. Doch einige Zahlen machen das Problem deutlich: Allein im Jahr 2008 kostete die Verschiffung leerer Container weltweit nach einer Aufstellung des Fachdienstes Drewry Shipping Consultants die Branche rund 22 Milliarden Dollar, 400 Dollar je 20-Fuß-Standardcontainer (TEU). Auf den wichtigsten Handelsrouten seien 2010 rund ein Drittel aller Transporte Leercontainer gewesen, sagte Mathes. Dazu zähle vor allem auch die Verbindung zwischen Ostasien und Nordeuropa. In Hamburg liege der Anteil von Container-Leertransporten bei zehn Prozent: "Die absolute Zahl der Leerfahrten dürfte noch zunehmen."

Der Hauptgrund dafür sind Ungleichgewichte im Fernhandel zwischen den Kontinenten. Aus Asien kommend, vor allem aus China, wachsen die Mengen an Exportgütern, die bevorzugt im Container transportiert werden, seien es Textilien, Unterhaltungselektronik oder eine große Bandbreite anderer Konsumgüter. Umgekehrt werden etwa aus Deutschland besonders viele Automobile ausgeführt, aber auch Maschinen und Großanlagen. Für beide Güterarten wird zumeist nicht der Container genutzt.

In der Regel brächten Reedereien Container aus europäischen Häfen einfach leer etwa nach Shanghai, wo die nächste Ladung zu erwarten sei. "Wenn man zumindest für eine Teilstrecke noch Ladung akquirieren kann, zum Beispiel von Europa nach Saudi-Arabien oder Indien, würde das die Kosten deutlich senken", sagte Mathes. "Aber das Bewegungsmanagement für Container ist äußerst komplex." Entscheidend sei es, die nötige Fülle von Daten über den jeweiligen Transportbehälter zu bündeln, neben Informationen der Reedereien auch die von Terminals, Depots, Zollbehörden, Speditionen oder Bahnbetreibern. "Manche Reedereien sind dabei sehr gut", sagte Mathes, "andere könnten ihre Programme sicher noch optimieren."