Nortel

Patent-Paket: Apple und Microsoft boten Google aus

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abendblatt.de

Bei einer Versteigerung sichert sich eine Gruppe um Apple und Microsoft das begehrte Patent-Paket von Nortel. Auch Google hatte Interesse.

New York. Eine wahre Schatzgrube eigneten sich die Schwergewichte der IT-Branche an: Eine Gruppe um Apple, Microsoft und SonDas sicherten sich das kostbare Patent-Arsenal des gescheiterten Telekom-Ausrüsters Nortel. Bei einer Auktion erhielten sie den Zuschlage für 4,5 Milliarden US-Dollar (3,1 Mrd Euro). Mit dem Kauf boteten sie den ebenfalls interessierten Konkurrenten Google aus. Weitere Mitglieder sind der schwedische Netzwerk-Ausrüster Ericsson, der Blackberry-Anbieter Research in Motion (RIM) und der Speicherspezialist EMC. Das Nortel-Paket enthält rund den rund 6000 Patenten und Patentanträgen geht es um wichtige Technologien für Mobilfunk und WLAN, aber auch für die Internet-Suche oder Online-Netzwerke. Einige Patente betreffen auch den nächsten schnellen Datenfunk-Standard LTE. Dem Deal muss noch der für Nortel zuständige Insolvenzrichter zustimmen. Ein Abschluss wird für das dritte Quartal erwartet.

Google war außerordentlich an den Patenten interessiert. Sein Mobilfunk-Betriebssystem Android steht aktuell im Visier vieler Patentklagen. Und mit dem Nortel-Paket hätte Google Verhandlungsmasse aufbauen können. Google-Manager Kent Walker schrieb in einer E-Mail an die „New York Times“, der Ausgang der Auktion sei „enttäuschend für alle, die glauben, dass offene Innovation gut für die Nutzer ist und Kreativität und Wettbewerb fördert.“ Der Internet-Konzern hatte schon frühzeitig ein Gebot von 900 Millionen Dollar abgegeben. Die US-Wettbewerbshüter hatten Google auch bereits grünes Licht für den Kauf der Patente gegeben. „Kein anderer großer Player der Branche benötigt Patente so dringend wie Google“, betonte der deutsche Patentexperte Florian Müller, der die Streitigkeiten in der Mobilfunk-Industrie beobachtet. „Um Android gibt es bereits 45 Patentklagen und Hersteller von Geräten auf Basis des Betriebssystems müssen an dutzende Rechteinhaber zahlen.“ Google hätte zwar auch mit den Nortel-Patenten das Problem nicht auf einen Schlag lösen können – aber eine viel bessere Verhandlungsposition bekommen, sagte Müller der dpa. Der Preis bei der Auktion schoss nach seiner Einschätzung in die Höhe, weil es den Bietern nicht nur darum ging, die Patente zu bekommen, sondern auch darum, sie von anderen fernzuhalten.

Informationen über eine Branchenfront gegen Google waren in US-Medien schon vor einiger Zeit aufgetaucht. Microsoft, Nokia, Hewlett-Packard sowie die amerikanischen Telekom-Konzerne AT&T und Verizon hatten demnach Einwände gegen einen Verkauf an Google vorgebracht. Zugleich mussten Technologiekonzerne befürchten, dass Finanzinvestoren sich die Patente greifen, um sie dann zur Kasse zu bitten. Die Konkurrenten im hart umkämpften Smartphone-Markt überziehen sich immer häufiger mit Patentklagen. So werfen sich aktuell Apple und Samsung gegenseitig Ideenklau vor. Erst kürzlich beendeten Apple und Nokia einen jahrelangen Streit. Besonders häufig wird aber Android angegriffen – und Google kann als Neueinsteiger im Mobilfunk-Geschäft nicht auf ein eigenes großes Patentarsenal bauen, um einen Deal auszuhandeln oder zurückzuklagen.

(abendblatt.de/dpa)

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