Versicherungsskandal

Ergo gibt Benachteiligung von Kunden bei Riester-Policen zu

Im Fall der Riester-Policen räumte Ergo eine wissentliche Benachteiligung von Kunden ein. Betroffen sind maximal 14 000 Riester-Verträge.

Hamburg. Ein Sexskandal und zum Nachteil von Versicherten falsch berechnete Riester-Verträge haben den Ruf von Deutschlands zweitgrößter Assekuranzgruppe Ergo stark beschädigt. Im Fall der Riester-Policen räumte das Unternehmen nun sogar eine wissentliche Benachteiligung von Kunden ein. Betroffen sind nach internen Ermittlungen maximal 14 000 Riester-Verträge, in denen Ergo zu hohe Kosten berechnet hat. Betroffen sind Policen aus dem Jahr 2005 der als Marke inzwischen erloschenen Tochter Hamburg-Mannheimer. Der "Fehler" sei seit Oktober 2005 bekannt gewesen. Derzeit werde untersucht, warum er den Kunden so lange verschwiegen wurde.

Dieses Verschweigen gibt dem Fall eine neue Dimension. Verbraucherschützer wie der Bund der Versicherten hatten im Vorfeld bereits bezweifelt, dass die falsche Kalkulation intern unbemerkt geblieben sei. Jetzt ist es amtlich, dass von Kunden wissentlich zu hohe Kosten kassiert wurden. Bei Rechtsanwälten türmen sich bereits Beschwerden übervorteilter Versicherungsnehmer, deren Anliegen nun zusätzliches Gewicht erhält. Allein die Frankfurter Kanzlei Nieding und Barth vertritt in der Sache 100 Geschädigte.

Ergo ist nun um Schadensbegrenzung bemüht und verspricht, betroffene Verträge mit dem korrekten und dann niedrigeren Kostensatz neu zu berechnen. "Wir gehen selber auf die Kunden zu und werden unaufgefordert die Neuberechnung vornehmen", sagt Vorstand Johannes Lörper. Der Fehler werde Ergo zugunsten seiner Kunden einen einstelligen Millionenbetrag kosten.

Am Anfang des Wirrwarrs stand nach Ergo-Darstellung ein Irrtum zugunsten der Kunden. In rechtlich verbindlichen Antragsformularen zu Riester-Renten war demnach zeitweise eine Kostenquote von zwölf Prozent ausgewiesen. Kunden wurde also zugesichert, dass "nur" zwölf Prozent der Beiträge bei Versicherung und Makler bleiben. Eigentlich hätte zum Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse schon eine Kostenquote von 16 Prozent gegolten, die aber dann Kunden stillschweigend in Rechnung gestellt worden ist.