163 000 Hamburger haben Minijob

Anstieg um 30 Prozent seit 2003. Bundesweit ist jeder vierte Erwerbstätige geringfügig beschäftigt

Hamburg. Kellnern, Nachhilfe geben oder im Supermarkt Regale einräumen: Immer mehr Menschen in Hamburg arbeiten als Minijobber. Seit 2003 ist die Zahl der geringfügig Beschäftigten in der Hansestadt um rund 38 000 auf gut 163 000 in die Höhe geschnellt, wie die Hamburger Agentur für Arbeit dem Abendblatt bestätigte.

Bundesweit ist inzwischen schon jedes vierte Beschäftigungsverhältnis ein geringfügiges, wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtete. Ende September 2010 gab es in Deutschland mehr als 7,3 Millionen Minijobber, die bis zu 400 Euro abgabenfrei verdienen können. Das sind fast 1,6 Millionen mehr als 2003.

Eingesetzt werden die Billigkräfte vor allem im Groß- und Einzelhandel, in Restaurants und in Hotels. In Hamburg war im vergangenen Jahr auch ein starker Anstieg bei Dienstleistungen in privaten Haushalten festzustellen. Zudem wurden mehr Minijobber auf dem Bau und in der Nachhilfe registriert.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht in der starken Zunahme eine verhängnisvolle Entwicklung. "Immer mehr sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen werden durch Minijobs ersetzt", sagt der Hamburger DGB-Vorsitzende Uwe Grund. "Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Beschäftigten selbst, die große Schwierigkeiten haben, sich eine ausreichende Rente zu erarbeiten." Betroffen seien auch die Kassen der Sozialversicherungsträger, die immer leerer würden.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt den Anstieg hingegen als undramatisch ein. Die Zunahmen gingen hauptsächlich auf eine gesetzliche Änderung im Jahr 2003 zurück, erläuterte IAB-Arbeitsmarktforscher Helmut Rudolph. Die Bundesregierung hatte damals festgelegt, dass die Einnahmen aus nebenberuflich ausgeübten Minijobs nicht zusammen mit dem Haupteinkommen versteuert werden müssen. "Das hat im Jahr 2004 die Zahl der im Nebenjob ausgeübten geringfügig bezahlten Beschäftigungen um mehr als eine Million steigen lassen", so der Forscher.

Im September 2010 hatte nach den BA-Zahlen gut jeder vierte Minijobber noch einen Hauptjob. Insgesamt gab es rund 2,45 Millionen geringfügig bezahlte Beschäftigungen im Nebenjob. Die Freistellung von Minijobs im Jahr 2003 hatte es laut Rudolph für viele Berufstätige finanziell attraktiv gemacht, sich mit einem Nebenjob abgabenfrei noch etwas dazuzuverdienen.