Osram-Börsengang soll Milliarden Euro bringen

Siemens baut Konzern um und gründet neue Technologiesparte für Megacitys

München. Siemens-Chef Peter Löscher macht seinen Konzern zum zweiten Mal binnen vier Jahren zur Großbaustelle. Zentrale Elemente des Umbaus sind ein Börsengang der Traditionstochter Osram und die Schaffung eines vierten Standbeins namens Infrastruktur und Städte. "Es wird nicht zu einem Stellenabbau kommen", betonte Löscher. Die Pläne seien keineswegs aus der Not geboren, sondern ein Programm für schnelleres Wachstum und damit auch für mehr Beschäftigung. Belegschaft und IG Metall haben im Aufsichtsrat unter Vorbehalt zugestimmt.

Löscher will mit seinen Plänen Siemens mittelfristig auf mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz bringen, ein Drittel mehr als heute. Zu diesem Ziel gehören auch Zukäufe, für die Siemens 15 Milliarden Euro in der Kriegskasse hat und demnächst auch noch Milliardenerlöse aus dem für Herbst geplanten Osram-Börsengang. Den Wert der seit 1978 komplett zu Siemens gehörenden und 1906 als Unternehmen gegründeten Lichttochter mit ihren 40 000 Mitarbeitern rückte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser in die Nähe von acht Milliarden Euro. Gut die Hälfte der Anteile wolle Siemens im ersten Schritt versilbern, aber langfristig als "Ankeraktionär" beteiligt bleiben.

Siemens trenne sich mehrheitlich von Osram, weil der Kapitalbedarf der Firma mit dem technologischen Wandel weg von alter Glühbirnentechnik hin zu Hightechlicht aus Halbleitern kapitalintensiver werde und immer weniger Synergien mit anderen Siemens-Geschäften bestehen, so Kaeser. Osram werde in die unternehmerische Freiheit entlassen und habe so bessere Entwicklungschancen, ergänzte Löscher.

Gewerkschafter sehen den Börsengang mit gemischten Gefühlen. Er biete nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. "Osram darf nicht zum Spielball kurzlebiger Profitinteressen an den Finanzmärkten werden", warnte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Für einen Verbleib von Osram im Konzern hätte dessen Neuaufstellung mit dem vierten Sektor Infrastruktur und Städte gesprochen, sagen Aufsichtsräte. Hier will man sich vor allem der Verkehrsprobleme in Megacitys annehmen, komplette Verkehrslösungen für Millionenmetropolen weltweit anbieten.

Der neue Bereich wird bis Oktober durch eine interne Umorganisation gebaut und umfasst vor allem grüne Umwelttechnologien, für die Osram wie kaum ein anderes Siemens-Geschäft steht. "Eigentlich passt Osram ideal zum neuen Sektor", findet NordLB-Analyst Thomas Wybierek. Siemens wolle aber wohl ein schwankungsanfälliges Geschäft wie das von Osram aus dem Konzernverbund bringen.

Um das vierte Standbein zu schaffen, verkleinert Löscher vor allem den großen Siemens-Sektor Industrie, der heute fast die Hälfte aller Geschäfte beinhaltet. Unberührt bleibt nur der kleinste Sektor Medizintechnik. Am Ende der Operation ruht Siemens dann auf vier etwa gleich großen Säulen. Im vierten Sektor bündelt Siemens künftig so unterschiedliche Umweltgeschäfte wie Gebäudetechnik, intelligente Stromnetze und die Eisenbahnsparte. Das ziele auf einen wachsenden Weltmarkt für städtische Infrastruktur im Volumen von heute 300 Milliarden Euro, der vor allem von öffentlichen Auftraggebern in den Metropolen dieser Welt bestimmt ist, sagte Löscher. Die global 600 größten Städte stehen zugleich für die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Der konzerninterne Umbau sorgt auch für größeres Stühlerücken im Management. Neuer Osram-Vorstandsvorsitzender wird ab April der bisherige Chef des Energiesektors, Wolfgang Dehen. Als Energiechef folgt Dehen der bisherige Divisionsboss Michael Süß nach. Zum Topmanager des neuen, vierten Sektors wurde der bisherige Siemens-Strategiechef Roland Busch bestimmt. Insgesamt wird das Topmanagement unter Löscher von acht auf zehn Vorstände erweitert.