Verbraucherschützer warnen vor "Abzocke" bei Investmentfonds

Rund 60 versteckte Gebühren wurden in Prospekten entdeckt

Hamburg. Für Privatanleger können gemanagte Investmentfonds leicht zur Kostenfalle werden. Rund 60 verschiedene Gebühren hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ) jetzt bei der Untersuchung der 50 größten in Deutschland zugelassenen Fonds entdeckt. "Die Praxis mancher Fonds ist schlicht Abzocke, denn die Gebühren sind in den Verkaufsprospekten gut versteckt und zudem in kompliziertem Juristendeutsch verfasst", sagt VZ-Experte Holger Handstein. Und in den Produktblättern tauchten viele Gebühren ebenso wenig auf wie in den Internetfinanzportalen. Die tatsächliche Gesamtbelastung könne der Anleger zudem selbst nicht ermitteln.

Neben den bekannten Gebühren wie Ausgabeaufschlag (bis zu fünf Prozent), Verwaltungsgebühr (bis zu zwei Prozent) und Transaktionskosten bei Umschichtung im Fonds haben die Gesellschaften eine Vielzahl weiterer Gebühren eingeführt. Dazu zählen beispielsweise eine Fixgebühr, "unerwartete Kosten" oder eine Gebühr, die bei Rückgabe der Anteile fällig wird. Die Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio), die bei allen Fonds angegeben werden muss, hilft dem Anleger nicht, denn sie berücksichtigt nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Darüber hinaus verlangen die Gesellschaften häufig eine Erfolgsgebühr (Performance Fee). Schneidet ein aktiv gemanagter Fonds besser als ein vorher festgelegter Vergleichsindex ab oder übersteigt er eine bestimmte Prozentmarke, muss der Anleger eine Erfolgsbeteiligung zahlen, die bis zu einem Viertel des Mehrerlöses betragen kann. Diese Performance Fee kann sogar bei einem Verlust des Fonds fällig werden.

Wer beim Fondskauf sparen will, dem raten Experten beispielsweise zum Kauf über einen Fondsvermittler oder eine Direktbank, denn dabei ist der Ausgabeaufschlag häufig stark ermäßigt oder entfällt ganz. Eine weitere Möglichkeit zum Sparen ist der Kauf börsengehandelter Indexfonds (ETF). Sie werden nicht aktiv gemanagt, sondern bilden einen Index wie beispielsweise den DAX ab. Sie kosten keinen Ausgabeaufschlag, die laufenden Gebühren betragen meist unter 0,5 Prozent jährlich - allerdings gebe es auch hier versteckte Gebühren. Verbraucherschützer Handstein rät Anlegern, immer auf den Ausgabeaufschlag und die übrigen laufenden Kosten zu achten. "Denn die sind entscheidend, egal, was der Bankberater dem Kunden erzählt."

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