Reederei

Kapitalgeber ringen mit der Krise bei Beluga

Foto: dapd

Emissionshäuser bündeln Interessen bei der angeschlagenen Bremer Reederei Beluga. Anlegern von Schiffsfonds drohen Einbußen.

Hamburg. Die Kapitalgesellschaften, die bei der angeschlagenen Bremer Reederei Beluga Shipping investiert sind, stimmen ihr Vorgehen miteinander ab. Nach Abendblatt-Informationen trafen sich gestern in Hamburg erneut Vertreter von Emissionshäusern, die in Schiffsfonds Kapital für Beluga eingeworben hatten. Dabei ging es um den Dialog mit dem US-Finanzinvestor Oaktree. Details über die Lage bei Beluga sind noch nicht bekannt.

Oaktree hält 49 Prozent der Beluga-Anteile. Die Investmentgesellschaft hatte Niels Stolberg, den Gründer und bisherigen Chef von Beluga, sowie andere leitende Mitarbeiter der Reederei in der vergangenen Woche zum Rückzug aus dem Unternehmen gedrängt und zunächst eigene Mitarbeiter an die Spitze gesetzt. Beluga befindet sich wegen der Spätfolgen der Wirtschaftskrise in einer prekären finanziellen Lage. Während die Containerschifffahrt bereits wieder ein starkes Wachstum verzeichnet, trifft der Abschwung das Segment der Schwerguttransporte - Beluga ist hier nach eigenen Angaben Weltmarktführer - nun mit Zeitverzögerung. Die Beluga-Flotte war in den vergangenen Jahren stark auf mittlerweile 74 Schiffe gewachsen, neun davon sind im Bau. Mangels Aufträgen kann die Reederei nun offenbar den Kapitaldienst für Neubauten, aber auch Charterraten für gemietete Schiffe nicht mehr im nötigen Umfang bedienen.

Nach einer Aufstellung der Bremer Anwaltskanzlei KWAG wurden für Beluga seit 2001 in 46 geschlossenen Schiffsfonds bei rund 15 000 Anlegern etwa 314 Millionen Euro Kapital gesammelt. Genannt werden dort die Emissionshäuser HCI Capital, Bluewater Capital, Ownership, Nordkontor, Exclusiv CapitalFinanz Holding, K + S Frisia, DHF Deutsche Fonds Holding, die Jan Luiken Oltmann Gruppe und EEH Elbe Emissionshaus. "Wir sind besorgt über die Interessen der Anleger bei Beluga", sagte der Anwalt Jan-Henning Ahrens von KWAG dem Abendblatt. Einerseits führen die Beluga-Schiffe keine oder keine ausreichenden Gewinne ein, um Ausschüttungen zu erwirtschaften. Er rechne zudem damit, dass Anleger in Schiffsfonds bereits erstattetes Kapital - sogenannte gewinnunabhängige Ausschüttungen - wieder an die Fonds zurückzahlen müssten: "Die Banken geben bei der Sanierung eines Unternehmens wie Beluga Shipping erfahrungsgemäß nur dann etwas dazu, wenn auch die Anleger von Eigenkapital - hier die Fondsanleger - ihren Beitrag leisten."

Auch der Hamburger Wirtschafts- und Finanzanwalt Peter Hahn rechnet mit Problemen für Anleger, die in Schiffen für Beluga Shipping investiert sind: "Vor allem bei Einschiffs-Gesellschaften kann es schnell zu Nachforderungen kommen", sagte er dem Abendblatt.

Oaktree gab gestern keine neuen Informationen zur Lage bei Beluga Shipping. "Wir werden dazu erst etwas Konkretes sagen, wenn das Konzept für die Restrukturierung vorliegt", sagte eine Sprecherin dem Abendblatt. "Die Gespräche laufen auf Hochtouren, und viele Parteien sind daran beteiligt." Vorrangig gehe es darum, den Betrieb bei Beluga Shipping aufrechtzuerhalten.

Gegen Stolberg und andere leitende Mitarbeiter der Reederei ermittelt die Staatsanwaltschaft Bremen seit dieser Woche offiziell wegen Betrugs im besonders schweren Fall und unrichtiger Darstellung. Stolberg wird von dem prominenten Frankfurter Wirtschaftsanwalt Hanns Feigen vertreten. Zu den geäußerten "Vorverurteilungen" seines Mandanten sagte Feigen gestern dem Bremer "Weser-Kurier", wer das behaupte, "der kann nicht richtig ticken oder hat zu viel getrunken".