USA wussten laut WikiLeaks von internen Streitigkeiten bei EADS

Partner wurden als "schizophren" und "irre" beschimpft

Paris/Seattle. Die US-Regierung ist regelmäßig über Streitereien innerhalb des europäischen Rüstungskonzerns EADS informiert worden. Entsprechende Dokumente aus den Jahren 2005 bis 2009 besitzt die Enthüllungsplattform WikiLeaks, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Darin wird der Airbus-Mutterkonzern als ein Hort hinterhältiger Streitigkeiten zwischen den Partnerländern porträtiert. Weil Airbus Boeings Hauptkonkurrent ist, könnte sich die US-Regierung für die Vorgänge bei EADS interessieren.

Laut den Diplomaten-Depeschen hatte sich ein deutscher EADS-Manager erfreut gezeigt, als Großbritannien seinen Airbus-Anteil verkaufte: "Gut, dass wir die los sind." Über BAE Systems hielten die Briten 20 Prozent an EADS. Der US-Konsul in München zitierte "hochrangige EADS-Manager" mit einer Aussage von 2006: "BAE war sowieso ein schizophrener Partner, dem nie ganz klar war, ob er eine europäische oder quasi amerikanische Firma war." EADS und BAE arbeiten beim Raketenhersteller MBDA zusammen.

Mitte 2006 beherrschten dem Bericht nach interne Konflikte den Konzern, an dem Deutschland und Frankreich zu gleichen Teilen beteiligt sind. Deutsche Manager hätten den früheren EADS-Co-Chef Noel Forgeard als "überambitionierten Irren" beschrieben. Forgeard musste 2006 wegen Verzögerungen beim A380 zurücktreten. Dafür hatte er Airbus-Manager aus Hamburg verantwortlich gemacht.

Im Wettlauf um Aufträge hat Boeing gestern einen Punktsieg gegen Airbus gefeiert. Chinesische Airlines bestellten beim US-Flugzeugbauer 43 Flugzeuge mit einem Listenpreis von rund sieben Milliarden Euro. Air China bestellte fünf Stück des neuen Jumbo 747-8. Die HNA Group, Mutterkonzern von Hainan Airlines, kauft 38 Flugzeuge: sechs 777 und 32 Dreamliner 787.

Die Turkish Airlines orderten hingegen bei Airbus. Die EADS-Tochter soll 13 Jets liefern, davon 10 Maschinen vom Typ A321 und drei Frachter vom Typ A330-200F. Der Auftrag hat ein Volumen von 1,14 Milliarden Dollar nach Listenpreis. Die US-Flugzeug-Leasingfirma ILFC aus Los Angeles hat dagegen zehn georderte Riesen-Airbusse A380 abbestellt. Laut "Financial Times Deutschland" ist es das erste Mal, dass ein A380-Kunde abspringt. Die Order für die Großraum-Jets wäre 2,7 Milliarden Euro wert gewesen. Allerdings hat ILFC dafür einen Vorvertrag für 100 Maschinen des neuen, spritsparenden A320 Neo geschlossen. Laut Liste ein 6,8-Milliarden-Euro-Geschäft.