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Die Gesellschafter beim "Spiegel" beharken sich

Die mächtige Mitarbeiter KG des "Spiegel" und Gruner + Jahr streiten um einen neuen Verlagsgeschäftsführer. Noch hält Gruner + Jahr an Mario Frank fest. Doch es deutet sich eine Schlammschlacht an. Frank gilt wegen seines autoritären Führungsstils und unzähligen anderen Peinlichkeiten als verbrannt.

Gerade hat sich der Ärger um die Trennung von "Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust gelegt, steht dem Magazin-Verlag ein Gesellschafterzwist ins Haus. Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Mitarbeiter KG, Hauptgesellschafter "Spiegel“-Verlags, deren Geschäftsführer Mario Frank das Misstrauen ausgesprochen hat. Gruner + Jahr, ebenfalls am Hamburger Verlag beteiligt, sieht das anders. Chef Bernd Kundrun sagte jetzt, die Frage nach einem Wechsel in der Geschäftsführung des "Spiegel“ stelle sich nicht. Frank genieße volles Vertrauen und stehe in keiner Weise zur Disposition.

Der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr hält 25,5 Prozent der „Spiegel“-Anteile. 50,5 Prozent liegen bei der Mitarbeiter KG. Weil bei dem Nachrichtenmagazin alle Entscheidungen mit einer Mehrheit von mindestens 76 Prozent des stimmberechtigten Kapitals getroffen werden müssen, kann die Mitarbeiter KG Frank nur mit Zustimmung Gruner + Jahrs absetzen.


Im Umfeld des Verlags gilt Kundruns Bekenntnis zum „Spiegel“-Geschäftsführer allerdings als Rückzugsgefecht. "Es ist völlig ausgeschlossen, dass Frank gegen den erklärten Willen des Hauptgesellschafters im Amt bleibt“, sagt ein intimer Kenner der Machtverhältnisse beim Nachrichtenmagazin.


Es deutet sich eine Schlammschlacht an. Schon jetzt wird im Umfeld von Gruner + Jahr gestreut, bestimmte Mitglieder der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG hätten Informationen über eine bevorstehende Absetzung Franks gezielt an die Presse gegeben. Aus der gleichen Quelle stammten Gerüchte, Matthias Schmolz, bisher Franks Stellvertreter, werde neuer Verlagschef. Letzterem werde Gruner + Jahr aber niemals zustimmen.

Als Schlüsselfigur der „Spiegel“-Krise gilt Armin Mahler, Sprecher der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG. „Zwischen uns und Gruner + Jahr herrscht eine gewisse Eiszeit“, sagt er. Man werde das Gespräch mit dem Verlag suchen, weil sich das Problem nur gemeinsam lösen lasse. Einen Termin für eine Unterredung gebe es noch nicht.

Mahler hielt bisher zu Frank, selbst als der wegen seines autoritären Führungsstils, dem gescheiterten Einstieg bei der "Financial Times Deutschland“, dem missglückten Experiment mit dem Sonntagsvertrieb und den unzähligen Peinlichkeiten im Zusammenhang mit der Trennung von Chefredakteur Aust im Haus längst als untragbar galt.

In der KG-Geschäftsführung gab es schon seit längerem eine 3:2-Mehrheit für eine Ablösung Franks. Ohne Zustimmung seines Sprechers mochte sich das Gremium aber bisher nicht für einen Wechsel in der „Spiegel“-Geschäftsführung aussprechen. Nun stimmte Mahler offenbar doch gegen Frank und ermöglichte so erst das erfolgreiche Misstrauensvotum gegen den Mann, den er einst selbst vom Gruner + Jahr-Blatt "Sächsische Zeitung“ geholt hatte.

Ob der Gesellschafterzwist beim "Spiegel“ schärfer wird und wie lange er anhält, dürfte davon abhängen, wie schnell es gelingt, einen Nachfolger für Frank zu finden, den auch Gruner + Jahr akzeptiert. Weil Schmolz offenbar nicht erwünscht ist und andere interne Kandidaten sich nicht aufdrängen, spricht vieles für eine externe Lösung. Zuletzt war immer wieder der Geschäftsführer der Wochenzeitung "Die Zeit“, Rainer Esser, als Kandidat für den Chefposten im "Spiegel“-Verlag ins Gespräch gebracht worden.

Quelle: Welt Online