Shell in Harburg will bis zu 300 Stellen streichen

Hamburg. Die Mitarbeiter haben fast zwei Jahre gehofft, gestern erfuhren sie die bittere Wahrheit. Weil es dem Mineralölkonzern Shell nicht gelungen ist, seine Raffinerie in Harburg zu verkaufen, will das Unternehmen nun Mitte 2012 wesentliche Teile der Anlage stilllegen. Rund 300 der gut 550 Mitarbeiter würden dann nicht mehr gebraucht. Für 2011 schloss der zuständige Shell-Geschäftsführer Peter Seifried gestern auf einer Betriebsversammlung zwar betriebsbedingte Kündigungen aus, aber nicht mehr für das Folgejahr, in dem mit der Demontage begonnen werden soll.

Shell hatte seit März 2009 eine Firma gesucht, die die Raffinerie übernehmen sollte - vergeblich. Jetzt hat sich der Konzern entschlossen, nur noch einen Teil des Industriekomplexes zum Kauf anzubieten und auf dem Rest in eigener Regie Tank-Terminals zu errichten. Wenn dies gelingt, könnten insgesamt mindestens 250 Arbeitsplätze gerettet werden.

Interessenten für die verbleibende Raffinerie, in der aus Öl chemische Substanzen hergestellt werden, gibt es nach Angaben des Unternehmens bereits. Nach Informationen des Abendblatts hat unter anderem der schwedische Ölkonzern Nynas die Harburger Anlage schon inspiziert.

Der Hamburger Wirtschaftssenator Ian Karan (parteilos) bedauerte diese Entscheidung von Shell und kündigte an, dass seine Behörde bei der Vermittlung neuer Arbeitsverhältnisse für die betroffenen Mitarbeiter helfen wolle.