Lieferservice in Hamburg

Eine poppige Geschäftsidee

Foto: Marcelo Hernandez

Susanne Niederbremer führt Kates's Popcorn, Hamburgs ersten Lieferservice für Puffmais in süßen Geschmacksvarianten. Er arbeitet bereits rentabel.

Hamburg. Plopp, plopp, plopp-plopp-plopp. Es brutzelt, es pladdert, es trommelt wie ein heftiger Regenschauer. Aus der stählernen Popcornmaschine steigt Dampf in eine überdimensionale Dunstabzugshaube. Der süße Duft von Karamell verbreitet sich in der nüchternen Industrieküche. Wie von Zauberhand hebt sich der Stahldeckel, ein Schwall Popcorn quillt in ein Bassin. Susanne Niederbremer zieht sich Gummihandschuhe über und sammelt die nicht geplatzten Körner, die in der Fachsprache "alte Jungfern" heißen, aus dem duftenden Puffmais heraus.

Ihr Tageswerk besteht fast ausschließlich aus Handarbeit: Zutaten mischen, den Puffmais mit verschiedenen Geschmäckern verfeinern, in Tüten packen, farbige Etiketten draufkleben, an Händler und Privatkunden ausliefern. "Unser Popcorn ist sehr sensibel und schmeckt deshalb am besten handgemacht", sagt Susanne Niederbremer. Sie ist die Geschäftsführerin von Kate's Popcorn, dem ersten Popcornlieferservice in Hamburg. "Die Abfüllmaschinen, die man kaufen kann, können nur einfaches Popcorn herstellen."

Nur süß oder salzig war für die 52-Jährige aber zu langweilig, als sie im vorigen Jahr den Produktionsstandort in einem Industriegebiet am Altonaer Holstenkamp mietete. Schließlich sollte der Tausch ihres Jobs als Mutter von Drillingen gegen eine Arbeit als selbstständige Unternehmerin mit einer Prise Abenteuer gewürzt sein. So stehen in den weiß gekachelten Räumen Plastiktonnen mit Dutzenden Zutaten, bereit für die Verarbeitung unter 190-Grad-Hitze in der Popcornmaschine und im Karamellisierer. Knapp 50 Kilogramm Mais veredelt Susanne Niederbremer jede Woche. Mit Vollmilchschokolade-Couverture, weißer Schokolade mit Kokos, Zartbitter-Orange, Honig-Chili, Zitrone, Karamell oder Cheddar Cheese. Fürs Weihnachtsgeschäft sind spezielle Zimtmixe angedacht, der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Nur Wasabi und Lakritz vertragen sich nicht mit Mais und Hitze, wie Versuchsreihen in der heimischen Küche zeigten.

"Mein Mann und ich haben zusammen etwa 30 Rezepturen entwickelt", sagt Susanne Niederbremer, eine tatkräftige Frau mit Lachfalten um die Augen. Übers Internet, ab einer Bestellung von 25 Euro auch als direkte Lieferung an Hamburger Haushalte, bei Edeka-Händlern und direkt am Firmensitz verkauft das Ehepaar momentan nur acht Sorten. "Die Produktion wächst uns sonst über den Kopf - mit einem solchen Andrang haben wir nicht gerechnet." Auch ihre mittlerweile volljährigen Kinder, zwei Töchter und ein Sohn, haben wohl nicht damit gerechnet, dass ihre Mutter in dem neuen Familienunternehmen so beschäftigt sein würde: Obwohl die ganze Familie mithilft und zwei Köche auf Stundenbasis eingestellt wurden, steht Susanne Niederbremer an manchen Tagen bis zu zwölf Stunden an der Popcornmaschine. Schon jetzt deckt der Verkauf - für eine Tüte werden je nach Sorte mindestens 2,50 Euro fällig - die laufenden Kosten, auch für die Aushilfsköche auf Stundenbasis. So zahlt sich die Investition von 80 000 Euro in den Umbau der Räume, die Entwicklung von Rezepturen, Marketingkonzept und Verpackung allmählich aus.

Das Ploppgeräusch von Mais hat für Susanne Niederbremer nicht nur finanzielle, sondern auch nostalgische Aspekte. "Meine Großmutter aus Westfalen hat damals immer für uns Enkel Popcorn gemacht", erzählt sie. Das Rezept kam aus den USA, von einem Soldaten, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Westfalen stationiert war. Die Zubereitung war in Amerika jedoch schon Ende des 15. Jahrhunderts bekannt. So aßen die dortigen Ureinwohner Popcorn und trugen die aufgeplatzten Körner auch als Schmuck, was schon Christoph Columbus auffiel, als er 1492 erstmals in Amerika an Land ging.

Aus der englischen Sprache hat Susanne Niederbremer letztlich auch den Namen für die Popcornproduktion abgeleitet: Ihre Großmutter hieß Anna Katharina, auf Englisch kurz "Kate".