Deutscher Mittelstand

Zoff in der Dübel-Dynastie Fischer

Foto: rf / Fischer_handout

In der Familie um den Dübel-Hersteller Fischer geht es derzeit hoch her: Das Landgericht Heilbronn entscheidet am Donnerstag über eine Klage des Gründers gegen die eigene Tochter. Es geht um Geld, Erbschaften und persönliche Fehden. Die Tochter fährt ihre Gegenangriffe längst öffentlich über das Internet.

Streit kommt bekanntlich in den besten Familien vor. Was sich derzeit in der Fischer-Dynastie um Deutschlands erfolgreichsten Tüftler Artur Fischer abspielt, ist aber schon mehr als ein üblicher Streit unter Verwandten. Es geht um Geiz und Geld, um Hass und Verbitterung, um Erbschaften und Rache. Mittlerweile kommuniziert der Erfinder des Dübels und des Fischertechnik-Baukastens mit seiner einzigen Tochter nur noch über Anwälte. Heute urteilt das Landgericht Heilbronn über den Familienzwist. Der 87-jährige Unternehmer selbst will sich auf Anfrage zum Sachverhalt nicht äußern.

Die Fronten sind verhärtet. Tochter Margot Fischer-Weber fühlt sich als Opfer ihrer hoch angesehenen Familie. Ihre Geschichte hat die 59-Jährige auf der Internetseite www.fischerfratze.de aufgeschrieben. Gegen Vater Artur und Bruder Klaus, der seit 1980 die familieneigenen Fischer-Werke leitet, erhebt sie dort heftige Vorwürfe. Margot Fischer sieht sich gedemütigt, seelisch missbraucht und unter Ausnutzung ihrer Gutgläubigkeit um ihr millionenschweres Erbe gebracht.

Menschenverachtend sei sie von Vater und Bruder behandelt worden. In Karikaturen werden die beiden auf der Internetseite als Haie, Wölfe und umbarmherzige Arbeitgeber dargestellt. So habe sie 1999 nach 36 Jahren im Familienbetrieb eine Änderungskündigung bekommen, nach der ihr Gehalt halbiert und die Arbeitszeit fortan per Stechuhr kontrolliert werden sollten. Mit einer Abfindung schied die stark hörbehinderte Frau daraufhin aus dem Familienunternehmen aus.

Die Fischers fühlen sich von den Darstellungen im Internet verunglimpft und haben mit Verweis auf den Tatbestand der „üblen Nachrede“ geklagt – mit Erfolg. „Die Verunglimpfung von Angehörigen im Internet ist unzulässig“, hatte die 6. Zivilkammer des Heilbronner Landgerichts im August 2006 in einem Eilverfahren entschieden und der Tochter per einstweiliger Verfügung und unter Androhung einer Ordnungsstrafe von 250.000 Euro einen Teil der verwendeten Formulierungen untersagt. Einige, schon von der Homepage gelöschte, Behauptungen seien „vom Recht der freien Meinungsäußerung nicht mehr gedeckt“.

Tochter sieht sich als Opfer

Damit wiederum will sich Margot Fischer nicht abfinden. Sollte sie in der heutigen Revision erneut verlieren, schließt sie den Gang vor das Stuttgarter Oberlandesgericht nicht aus. „Dass sich Menschen in ihren Persönlichkeitsrechten angegriffen fühlen, mag schon sein. Aber ich bin auch ein Mensch und schreie es raus, was mit mir gemacht wurde“, sagt die Tochter des Dübel-Königs, die nach eigenen Angaben von einer Erwerbsunfähigkeitsrente lebt.

Gemeint ist damit unter anderem ein Erbstreit. 1984 hat Margot Fischer einen Erb- und Pflichtteilsverzicht unterzeichnet. Dieser Vertrag sei von einem Notar aber so leise vorgelesen worden, dass sie den Inhalt weder akustisch noch in seinen juristischen Ausführungen verstanden habe, behauptet die Tochter, die nach eigenen Angaben seit sieben Jahren keinen direkten Kontakt mehr zur Familie hat. Im Vertrauen auf ihren Vater habe sie den Vertrag dennoch unterzeichnet. Mittlerweile wird das Familienvermögen der Fischers auf rund 350 Mio. Euro geschätzt.

Artur Fischer gilt als der erfolgreichste Erfinder in Deutschland. Knapp 1100 Patente und fast 6000 Schutzrechte hat der 87-Jährige bislang angemeldet. Zu seinen Erfindungen gehören ein Magnesiumblitzlicht für Photoapparate, der Fischertechnik-Baukasten für Kinder und der Spreizdübel aus Nylon, von dem die Fischer-Werke heute täglich 13 Mio. Stück produzieren. Die Unternehmensgruppe, die auch als Automobilzulieferer sowie im Bereich Prozessberatung tätig ist, steigerte im vergangenen Jahr ihren Umsatz auf 493 Mio. Euro. Mittlerweile hat der 3400-Mitarbeizer-Konzern Niederlassungen in 26 Ländern.

Quelle: Welt Online