Ex-Telekom-Chef Ricke weist vor Gericht Spitzelvorwürfe zurück

Konzernsicherheit habe Lauschangriffe zu verantworten

Bonn. Im Prozess zur Aufklärung der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom gibt sich Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke als Zeuge vor dem Landgericht Bonn ahnungslos. Er habe die illegale Auswertung von Telefonverbindungen zwischen Aufsichts- und Betriebsräten, Gewerkschaftern und Journalisten nicht beauftragt, sagt Ricke am Freitag im Zeugenstand. Er sei nicht einmal darüber informiert gewesen, dass dies überhaupt möglich ist.

Gespräche über illegale Methoden sind laut Ricke nie geführt worden

Damit versuchte Ricke die Anschuldigungen des Hauptangeklagten im Verfahren zu entkräften. Der frühere Chef der Konzernsicherheit, Klaus T., hatte den Manager zu Prozessauftakt belastet. T. hatte ausgesagt, Ricke habe sehr wohl davon gewusst, dass Verbindungsdaten systematisch ausgewertet werden können, um Informationslecks im Konzern aufzudecken. Ricke widerspricht dieser Darstellung entschieden. "Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen, dass wir über irgendwelche illegalen Methoden gesprochen haben", sagt der 48-Jährige. Hätte er von illegalen Methoden gewusst, wäre er eingeschritten.

Bei der Aufdeckung der Lecks habe er sich voll auf die Konzernsicherheit verlassen, sagt Ricke - speziell auf den Hauptangeklagten T. Dieser sei für ihn ein "sehr seriöser Beamter gewesen, dem man voll vertrauen konnte". Die Nachforschungen vollständig in die Hände der zuständigen Abteilung zu legen, habe seinem Führungsverständnis entsprochen. Als Konzernchef (von 2002 bis 2006) habe er viele andere Aufgaben bewältigen müssen.

Die Affäre ist einer der größten Datenschutzskandale in der jüngsten deutschen Geschichte. Die Telekom hatte 2005 und 2006 Telefondaten von bis zu 60 Personen - darunter die Gewerkschaftschefs Frank Bsirske (Ver.di) und Michael Sommer (DGB) - auswerten lassen, um herauszufinden, wie sensible Informationen in die Öffentlichkeit gelangten.