Drogeriekette

dm greift Schlecker an und will die Nummer 1 werden

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Die Filialkette dm will bundesweit die Nummer 1 werden. Das Unternehmen greift Schlecker an und plant bis zu 15 neue Filialen in Hamburg.

Hamburg/Karlsruhe. Die Drogeriemarktkette dm will in den nächsten ein bis zwei Jahren den Branchenführer Schlecker als Nummer eins in Deutschland ablösen. Sein Unternehmen peile im laufenden Geschäftsjahr europaweit mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz an, sagte dm-Chef Erich Harsch gestern in Karlsruhe. Im Geschäftsjahr 2009/2010 wurden konzernweit in 2403 Filialen mehr als 5,65 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zwar ist die Drogeriekette mit 8,7 Prozent nicht so stark gewachsen wie in den Vorjahren. Harsch betonte aber: "Die Grenze des Wachstums ist noch lange nicht erreicht." In Deutschland erzielte dm im vergangenen Geschäftsjahr in 1185 Filialen einen Umsatz von 4,07 (Vorjahr: 3,75) Milliarden Euro. Der Karlsruher Drogist beschäftigt hier rund 23 000 Mitarbeiter, europaweit mehr als 36 000.

dm ist schon heute der größte Anbieter von Drogerieartikeln

Marktführer Schlecker gibt den europaweiten Umsatz mit 7,2 Milliarden Euro an. Mit rund 50 000 Mitarbeitern gehört Schlecker zu den 25 größten Handelsunternehmen in Europa. Dm ist nach eigenen Angaben mit 12 000 unterschiedlichen Artikeln im Sortiment schon jetzt größter Anbieter von Drogeriewaren - ohne Zigaretten und Alkohol, die es bei dem Karlsruher Drogisten nicht gibt.

Im Geschäftsjahr 2010/2011 sollen rund 100 neue dm-Märkte in Deutschland entstehen, im vergangenen Geschäftsjahr kamen bundesweit 80 neue Märkte hinzu. Für die Expansion und den Ausbau bestehender Märkte in Deutschland sind Investitionen in Höhe von 68 Millionen Euro vorgesehen. "Bundesweit sehen wir ein Potenzial für bis zu 2000 dm-Märkte", sagte der für die Expansion verantwortliche Geschäftsführer Markus Trojansky. Der Schwerpunkt des Wachstums werde im Raum Köln-Bonn, im Großraum München und in Berlin liegen.

In Hamburg, wo dm bislang nur mit fünf Filialen vertreten ist, sieht Trojansky Raum für insgesamt 20 dm-Märkte. Zwei Neueröffnungen seien für das neue Geschäftsjahr geplant, sagte er. Die vergleichsweise große Zurückhaltung von dm in der Hansestadt erklärt sich aus der starken Position des lokalen Marktführers Budnikowsky. "In der Hansestadt gibt es seit 30 Jahren ausgetrampelte Drogeriepfade, die sich nicht von heute auf morgen verändern lassen", sagte Trojanski.

Er räumte zudem ein, dass das Konzept von Budnikowsky dem von dm sehr ähnlich sei, weshalb die Karlsruher hier nur schwer Fuß fassen könnten. "Im Gegensatz zu Berlin ist es in Hamburg nicht so, dass die Kunden auf dm gewartet haben." Ein Frontalangriff gegen Budnikowsky verbietet sich für dm aber auch noch aus einem anderen Grund. Seit Jahren schon besteht eine enge Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Unternehmen. So verkauft Budni unter anderem die Eigenmarken von dm in den eigenen Filialen.

Expansion in Norddeutschland als Reaktion auf Konkurrent Rossmann

Gerade einmal zweieinhalb Jahre ist es her, dass sich dm überhaupt nach Hamburg wagte. "Das hatte mit unserer generellen Expansion nach Norddeutschland zu tun, die im Wesentlichen eine Reaktion auf die Übernahme des schleswig-holsteinischen Marktführers Cloppenburg durch Rossmann war", so Trojansky. Es habe die Gefahr bestanden, dass ganz Norddeutschland in Rot-Weiß getaucht werde, sagte der dm-Expansionschef mit Blick auf die Unternehmensfarben des Konkurrenten. In Schleswig-Holstein plant dm nun die Eröffnung von 15 Märkten.

Einfacher ist das Wachstum außerhalb Deutschlands. Insgesamt will der Drogist 2010/2011 in elf europäischen Ländern 170 Millionen Euro investieren. In Österreich, Ungarn, Tschechien, Kroatien, der Slowakei, Slowenien, Bosnien, Serbien, Rumänien und Bulgarien legte dm mit 8,8 Prozent Wachstum auf 1,57 Milliarden Euro zu.