TUI muss die Bilanz korrigieren

Wegen der Buchungsfehler von 120 Millionen Euro tritt der Finanzchef der britischen Tochter zurück

Hannover. Über Jahre verschleppte Buchhaltungsfehler seiner britischen Tochter kosten den Reisekonzern TUI jetzt 120 Millionen Euro. Die Tochter TUI Travel PLC müsse diesen Betrag abschreiben, weil es "fehlerhafte Prozesse beim Abgleich von Forderungsbeständen" gegeben habe, teilte TUI in Hannover mit. Der Finanzchef von TUI Travel, Paul Bowtell, trat wegen der Fehler zurück. Im Endeffekt wird das Eigenkapital der TUI um die falsch gebuchte Summe gesenkt.

Nach Informationen aus dem Umfeld des Konzerns hatten sich viele kleine Buchungen über Jahre zu dem Betrag aufgebaut. So wurden Umsätze oft automatisch gebucht, aber Stornierungen mussten per Hand erfasst werden. Das habe dazu geführt, dass teilweise auch stornierte Umsätze in der Bilanz verblieben seien. In Hannover hieß es, vor allem die Muttergesellschaft habe auf die Korrektur der Zahlen gedrängt.

In zwei Schritten sollen nun die 120 Millionen Euro mit dem Eigenkapital der TUI AG verrechnet werden. Auf das aktuelle Geschäft und auf die Aktionäre hätten die Vorgänge keine Auswirkungen, erklärte ein TUI-Sprecher. Die Ergebniserwartung für das Touristiksegment im Geschäftsjahr 2009/2010 bleibt unverändert gültig, hieß es. TUI geht demnach weiter von einem positiven Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2009/2010 aus.

Unterdessen lässt sich das Geschäft in der seit 30. September laufenden Wintersaison gut an: In allen großen Ländern liegen die Buchungen über dem Vorjahresstand. In Deutschland wurden bisher zehn Prozent höhere Umsätze verbucht, in Skandinavien sogar 32 Prozent mehr. Das Jahr 2009 hatte TUI nur dank des Verkaufs der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd mit Gewinn abgeschlossen. Im neunmonatigen Rumpfgeschäftsjahr erzielte TUI einen Nettogewinn von 401 Millionen Euro.