Verbraucherschutz

Wie Lebensmittelhersteller bei Zusätzen tricksen

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Die Verbraucherschützer kritisieren Slogans wie "ohne künstliche Aromen" als irreführend. 150 Etiketten wurden unter die Lupe genommen.

Hamburg. "Ohne Konservierungsstoffe", "ohne Geschmacksverstärker", "ohne Farbstoffe": Mit Werbeaussagen wie diesen versuchen die Lebensmittelkonzerne, die Kunden zum Kauf von angeblich naturbelassenen und gesunden Produkten zu bewegen. Doch aus Sicht der Verbraucherzentralen sind diese sogenannten Clean Labels nicht mehr als Augenwischerei. "Zutaten wie Geschmacksverstärker oder künstliche Aromen werden nur durch scheinbar unverfängliche Zusatzstoffe ersetzt", sagt die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, Silke Schwartau, dem Abendblatt. "Dadurch werden die Kunden vorsätzlich in die Irre geführt." In einem groß angelegten Markttest haben die Verbraucherschützer jetzt rund 150 Etiketten von Lebensmitteln kritisch unter die Lupe genommen.

"Natürlich - 100 Prozent Geschmack, da ohne Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe", heißt es beispielsweise auf der Packung Fix & Frisch für Tomaten-Zucchini-Gratin von Maggi. Tatsächlich steckt in dem Fertigprodukt aber Hefeextrakt, das nach Angaben der Verbraucherschützer sehr wohl geschmacksverstärkend wirkt. "Hefeextrakt muss nicht als Geschmacksverstärker ausgewiesen werden und wird deshalb von vielen Herstellern als Alternative zu deklarierungspflichtigen Stoffen verwendet", sagt Schwartau. In der aktuellen Untersuchung sei bei 92 Prozent aller Produkte mit dem Label "ohne Geschmacksverstärker" dieser Ersatzstoff gefunden worden.

"Hefeextrakt wird in vielen Küchen wie ein Gewürz eingesetzt und ist gesundheitlich völlig unbedenklich", heißt es beim Maggi-Hersteller Nestlé. "Wir setzen diesen Stoff ein, um für den Verbraucher einen gleichbleibend hochwertigen Geschmack unserer Produkte gewährleisten zu können", so eine Sprecherin. Von einer Irreführung der Kunden könne keine Rede sein.

Doch die legalen Tricks der Lebensmittelindustrie beziehen sich nicht nur auf den versteckten Einsatz von Geschmacksverstärkern. Auch der Hinweis "ohne künstliche Farbstoffe" garantiert keineswegs den Verzicht auf entsprechende Zusätze. So finden sich etwa in den Schokoladennüssen Peanut Chocs der Billigkette Penny trotz dieses Versprechens gleich sechs verschiedene Farbstoffe. Laut dem Mutterkonzern Rewe ist die Auszeichnung korrekt, da man das Rezept von künstlichen auf natürliche oder naturidentische Farbstoffe umgestellt habe. Das sieht Verbraucherschützerin Schwartau anders: Das Produkt enthalte unter anderem den natürlichen Farbstoff Chlorophyll, der aber chemisch mit Kupfer angereichert werde. "Eine klare Unterscheidung zwischen einem künstlichen und einem natürlichen Farbstoff ist hier gar nicht möglich."

Ein weiterer Trick der Werbestrategen: Wer Produkte "ohne künstliche Aromen" kauft, erhält oft Waren, die mit natürlichen Aromastoffen versetzt sind. "Diese Stoffe können aber trotz ihres irreführenden Namens im Labor hergestellt sein - beispielsweise unter dem Einsatz von Schimmelpilzen", so Schwartau. Sie müssten keineswegs aus den auf der Verpackung abgebildeten Früchten stammen.

In manchen Fällen werben die Hersteller auch mit puren Selbstverständlichkeiten. So ist der Aufdruck "ohne künstliche Aromen" auf einer Pizzapackung kein Hinweis auf eine besonders hohe Qualität. "In Pizzen dürfen derartige Zusätze ohnehin nicht verwendet werden", sagt Schwartau. Sie fordert, dass bei derartiger Werbung keine Ausnahmen mehr erlaubt werden dürften. Zudem müsse der Gesetzgeber dafür sorgen, dass beim Einsatz der Clean Labels keine Ersatzstoffe mit gleicher Funktion eingesetzt werden dürften.