Kommentar

Vertrauen auf Jahre verspielt

Die Konjunktur erholt sich rascher als gedacht, aber das Vertrauen in das Finanzsystem kehrt nicht so schnell zurück. Deshalb streichen die Bundesbürger ihre private Vorsorge zusammen, obwohl sie fürchten müssen, dass die gesetzliche Rente wegen des großen staatlichen Schuldenberges noch stärker gekürzt wird.

Das erscheint auf den ersten Blick als Widerspruch. Doch wer schlechte Erfahrungen mit der Geldanlage gemacht hat, hält sich künftig zurück. Erst recht, wenn die Bankberatung auch zwei Jahre nach der Finanzkrise noch immer grundlegende Mängel aufweist, wie Verbraucherschutzstudien zeigen. Ob Beratungsprotokoll oder Produktinformationsblatt - vieles wird nur halbherzig umgesetzt. Denn der Gesetzgeber lässt den Geldinstituten noch immer zu viel Spielraum, wenn es um den Verbraucherschutz geht. Die Kunden erhalten zwar viel zusätzliches Papier, fühlen sich aber nicht besser beraten.

Dabei ist private Altersvorsorge unerlässlich. Mit erschütternden Statistiken über große Versorgungslücken im Alter allein lassen sich die Deutschen aber nicht motivieren. Ihnen fehlt es am Vertrauen, dass sich heutiger Konsumverzicht im Alter wirklich auszahlt und nicht mit einem Währungsschnitt bestraft wird. Es liegt also an der Politik, das Vertrauen in die Staatsfinanzen wiederherzustellen. Die Banken müssen wiederum bei der Beratung zur Altersvorsorge wirklich an die Bedürfnisse ihrer Kunden und nicht an eigene Provisionseinnahmen denken. Es wird nicht leicht, die Deutschen wieder für die Altersvorsorge zu motivieren.