Kommentar

Gleiches Geld für gleiche Arbeit

Für mehr als 600 000 Beschäftigte in Deutschland ist ein Zustand, den die IG Metall jetzt ins Visier genommen hat, tägliche Realität: Sie sind Zeitarbeiter. Nicht jeder ist unglücklich dabei. So mancher, vor allem wenn er noch jung ist, findet den Gedanken, unkompliziert Erfahrungen in verschiedenen Firmen sammeln zu können, durchaus reizvoll.

Dass Leihkräfte für Unternehmen über die vergangenen Jahre immer beliebter geworden sind, hat allerdings nicht nur mit den konjunkturellen Schocks des vergangenen Jahrzehnts zu tun. Eine wichtige Rolle spielen zweifellos die aus Sicht der Wirtschaft nach wie vor zu starren Arbeitsmarktgesetze - es ist in Deutschland eben ungleich schwieriger als in den USA oder in Asien, fest angestellte Mitarbeiter wieder zu entlassen, wenn man sie nicht mehr will oder nicht mehr braucht. Der Wunsch nach "Waffengleichheit" mit Konkurrenten aus anderen Regionen der Welt hat angesichts der Globalisierung jedoch zugenommen.

Hinzu kommt ein weiteres Argument: Man kann durch den Einsatz von Leihkräften Personalkosten drücken. Und hier wird es problematisch, wie der Fall Schlecker gezeigt hat. Denn wenn Lohndumping in den Vordergrund rückt, hat dies nichts mehr mit dem ursprünglichen Zweck der Zeitarbeit zu tun, flexibler auf Beschäftigungsschwankungen reagieren zu können. Darum ist die Forderung der IG Metall nach gleicher Bezahlung für gleiche Tätigkeit berechtigt. Hamburgs größter industrieller Nutzer von Zeitarbeit, der Flugzeugbauer Airbus, ist mit gutem Beispiel vorangegangen.