Das Ende der Kurzarbeit lässt die Einkommen steigen

Reallöhne im zweiten Quartal um 2,3 Prozent gestiegen

Wiesbaden. Die Arbeitnehmer in Deutschland haben im zweiten Quartal dieses Jahres erstmals wieder mehr Geld auf dem Konto gehabt. Nach dem Auslaufen der Kurzarbeit in vielen Betrieben sei der Reallohn (nach Abzug der Inflation) im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,3 Prozent gestiegen, so das Statistische Bundesamt. Dies sei der höchste Anstieg seit Beginn der Indexberechnung 2007. Die Verdienste - gemessen am Bruttomonatsverdienst Vollzeitbeschäftigter - stiegen um 3,4 Prozent, die Verbraucherpreise erhöhten sich um 1,1 Prozent.

Gewerkschaften sehen in Entwicklung noch keinen Grund zur Freude

Ursache für den hohen Zuwachs sei nicht nur die Verdienstentwicklung, sondern auch Sondereffekte wie etwa die Kurzarbeit. Durch den verstärkten Einsatz der Kurzarbeit waren im zweiten Quartal 2009 die realen Bruttomonatsverdienste laut Destatis um 1,2 Prozent gesunken. Da im zweiten Quartal 2010 die Kurzarbeit stark zurückgegangen sei, falle die aktuelle Wachstumsrate daher tendenziell hoch aus.

Claudia Falk, Sprecherin beim Deutschen Gewerkschaftsbund, sieht in den positiven Zahlen der Statistiker kaum einen Grund zum Jubeln. Zwar sei bei den Löhnen nun wieder das Vorkrisenniveau erreicht, doch die Verluste bei den Reallöhnen über die vergangenen zehn Jahre seien dadurch keinesfalls wettgemacht.

Deutschland stehe durch die Kurzarbeit und die im Vergleich zu anderen EU-Ländern niedrige Arbeitslosigkeit nach der Krise vergleichsweise gut da, sagte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Allerdings resultiere die vermeintliche Reallohnsteigerung tatsächlich überwiegend aus einer Steigerung der Arbeitszeit. "Man kann davon ausgehen, dass in vielen Betrieben auch schon wieder Überstunden geleistet und Arbeitszeitkonten aufgefüllt wurden", sagte er. Eine nachhaltige Erhöhung des Lohnniveaus erwartet Brenke aber trotzdem nicht. Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich durchschnittlich brutto 3229 Euro im Monat.