Hamburger Beschäftigte gehen später in Rente

Manager wollen das Wissen der Älteren für Betrieb sichern

Hamburg. Die Zahl der älteren Beschäftigten nimmt weiter zu. Das geht aus Zahlen hervor, die gestern das Statistische Bundesamt vorgelegt hat. Waren im Jahr 1999 etwa noch knapp 30 Prozent der 60-Jährigen im Beruf, stieg dieser Anteil bis 2009 auf knapp 52 Prozent. Die große Mehrheit der Deutschen geht aber bereits zwischen 58 und 64 Jahren in den Ruhestand. Nur jeder neunte 65-Jährige arbeitet noch. Die Belegschaften altern, weil es für die Menschen durch Abschläge bei Altersteilzeit und früherem Renteneintritt weniger attraktiv wird, eher in den Ruhestand zu gehen. "Die Firmen sehen aber auch das Problem der immer älter werdenden Gesellschaft auf sich zukommen und wollen das Potenzial ihrer Mitarbeiter sichern", sagt Mario Wagner, Demografieberater beim Arbeitgeberverband Nordmetall. "In den Personalabteilungen wird immer sensibler mit dem Thema umgegangen."

Allein in der Metall- und Elektrobranche ist die Zahl der Beschäftigten über 60 seit 1999 von 84 880 auf 140 970 gestiegen. Das entspricht einer Quote von vier Prozent bezogen auf die knapp 3,5 Millionen Mitarbeiter bundesweit. In Hamburg liegt der Anteil der Älteren mit 5,75 Prozent sogar noch höher. Insgesamt stieg die Zahl der 60- bis 65-jährigen Beschäftigten in Hamburg innerhalb von zehn Jahren von 24 500 auf 34 400, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Arbeitsagentur zählt. Arbeitsmarktforscherin Tanja Buch, die zuletzt eine Studie über den demografischen Wandel in der Hansestadt vorgelegt hatte, bestätigt: "Die Unternehmen denken um und wollen ältere Mitarbeiter halten."

Zusätzlich freie Tage für ältere Mitarbeiter im Aluminium-Walzwerk

Ein Beispiel dafür ist das Hamburger Walzwerk von Norsk Hydro Asa. Bei der Herstellung von Aluminiumbändern und Blechen gilt eine Sechs- beziehungsweise Sieben-Tage-Woche mit drei Schichten am Tag. Die Mitarbeiter sind Temperaturen von mehreren 100 Grad ausgesetzt. "Ältere ab 55 erhalten bei uns nun drei, ab 57 Jahren sechs freie Tage zusätzlich", sagt Personalleiter Hans Mertens. Die im Mai eingeführte Regelung, die mit dem Betriebsrat abgestimmt wurde, solle sich "positiv auf die Gesundheit auswirken und so die Beschäftigten länger im Beruf halten." 60 der 650 Arbeitnehmer profitieren von dem Modell.

Gewerkschaft IG Metall hält längere Lebensarbeitszeit für unzumutbar

Auch der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Tom Wild ist zufrieden. "Die Regelung ist in jedem Fall eine Erleichterung. Vielleicht könnte künftig eine Art Generationenvertrag ausgehandelt werden, bei dem Nachtschichten für Ältere komplett wegfallen."

Klar ist: Auch in Hamburg wird die Zahl der älteren Mitarbeiter weiter zunehmen. "Jetzt geht es darum, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass die Menschen dort länger tätig sein können", sagt Wagner von Nordmetall, der seit zwei Jahren Firmen Analysen über ihre Altersstruktur anbietet.

Skeptisch gegenüber einer längeren Lebensarbeitszeit und der geplanten Rente mit 67 bleibt die IG Metall. "Arbeitsdichte und Stress verschleißen die Gesundheit so sehr", sagt Jutta Blankau, die Bezirksleiterin Küste, "dass die meisten nicht bis 65 geschweige denn bis 67 arbeiten können."