Hapag-Eigner wollen wieder Dividende sehen

Aufsichtsrat soll heute über die Rückgabe der Bürgschaft über 1,2 Milliarden Euro entscheiden

Hamburg. Die wieder anziehenden Schifffahrtsmärkte wirken sich jetzt auf die Strategie von Hamburgs Traditionsreederei Hapag-Lloyd aus. Nach dem kräftigen Gewinnsprung von 13 auf 226 Millionen Euro im zweiten Quartal ordnet das Unternehmen seine Finanzierung neu. Der Aufsichtsrat soll nach Informationen des Abendblatts heute auf einer Sitzung am Ballindamm über eine Hochzinsanleihe von bis zu 500 Millionen Euro und über einen höheren Kreditrahmen entscheiden. Zudem wird darüber beraten, ob die vom Bund bereitgestellte Bürgschaft über 1,2 Milliarden Euro zurückgegeben werden soll. "Ohne die Bürgschaft und ihre Staatsauflagen wird das Unternehmen für potenzielle Investoren attraktiver", sagt Martina Noß, Analystin bei der NordLB. Damit dürfte das Konzept dazu beitragen, die Trennung vom Reisekonzern TUI rascher zu vollziehen.

Klar ist: Das Unternehmen musste die Bürgschaft, die noch von der EU geprüft wird, bisher nicht nutzen. "Das Management prüft alle Möglichkeiten einer effizienteren Unternehmensfinanzierung", hatte TUI-Finanzvorstand Horst Baier angekündigt.

Hintergrund für die Überlegungen sind zunächst die Kosten, die schon für die Bereitstellung der Bürgschaft anfallen. Solange sie existiert, sind zudem die Zinsen für die Kredite von 1,2 Milliarden Euro von den Banken sowie für die 1,3 Milliarden Euro von der TUI gestundet. So fließt kein Geld an die Gläubiger und zudem keine Dividende.

Reederei dürfte auch im dritten Quartal gut abschneiden

Infolge der guten Schifffahrtskonjunktur scheint derzeit jedoch sicher, dass Hapag-Lloyd für 2010 eine Dividende zahlen kann. "Nach dem Rekordergebnis im zweiten Quartal wird auch das dritte deutlich profitabel sein", sagt Noß. Damit dürften sowohl die TUI, die Hapag-Lloyd schon 2008 verkaufen wollte, als auch das Konsortium Albert Ballin ein hohes Interesse an der Entscheidung haben. Die Bereitstellung von Eigenkapital und Krediten würde sich auszahlen. Im Konsortium, das 56,7 Prozent der Aktien hält, würden die Hansestadt und der Unternehmer Klaus-Michael Kühne als größte Anteilseigner besonders profitieren.

Die TUI hält noch 43,3 Prozent von Hapag-Lloyd. Ihr Vorstandschef Michael Frenzel führt den Aufsichtsrat. Weder das Konsortium noch Hapag-Lloyd, die TUI sowie die Stadt Hamburg wollten sich gestern dazu äußern.