Bäckereikette

Barilla hat die Geduld mit Kamps verloren

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Hagen Seidel

Foto: mg/kd_mg_htf / dpa

Die italienische Nudel-Dynastie will die Backwarenkette Kamps offenbar stückweise verkaufen. Seit sechs Jahren schreibt Kamps nur Verluste. Die Nudel-Dynastie selbst könnte wegen hoher Schulden selber ins Wanken geraten, wenn es nicht bald eine Lösung für die Großbäckerei gibt.

Die Pasta-Brüder Barilla haben es mit ihrem deutschen Backkonzern Kamps offenbar aufgegeben: Sechs Jahre nach der Übernahme suchen sie Käufer zumindest für Teile der Firma. Eine Investmentbank hat nach Brancheninformationen bereits den Auftrag bekommen, nach Interessenten Ausschau zu halten. Kamps produziert Verluste von geschätzten 50 bis 70 Mio. Euro pro Jahr.


Jetzt ist am Markt von der Zerlegung des Brötchen-Konzerns die Rede. Rund vier Fünftel seines Umsatzes von 1,2 Mrd. Euro erzielt Kamps mit Industriebrot für den Einzelhandel („Lieken“, „Golden Toast“ und No-Name-Produkte), den Rest mit knapp 1000 Bäckereien. Beide Sparten haben bereits eigene Zentralen bekommen, was die Zerschlagung erleichtern würde.

Die Nudel-Dynastie könnte wegen hoher Schulden selber ins Wanken geraten, wenn es nicht bald eine Lösung für das deutsche Problem gibt, heißt es im Umfeld. Als Kauf-Interessanten werden Finanzinvestoren ebenso gehandelt wie Firmengründer Heiner Kamps selbst.

Der neue Barilla-Chef Robert Singer, ein früherer Unternehmensberater, macht jetzt Druck. Er kann über die gesamte Kamps-Gruppe verfügen, seit Barilla für 435 Mio. Euro die restlichen Anteile übernommen hatte.

Das Familienunternehmen aus Parma hat zahlreiche Vorstände beim Versuch verschlissen, mit ihrem germanischen Investment von 1,8 Mrd. Euro endlich Geld zu verdienen – vergeblich. Fast eine Dreiviertel Milliarde mussten sie schon abschreiben. Eines der Hauptprobleme der deutschen Barilla-Tochter scheint die Einmischung der Mutter in Italien zu sein: Auf der einen Seite fordern die Eigentümer harte Einschnitte – wenn es dann an die Schließung von Produktionsstätten, Kooperationen mit großen Handelsketten oder die Ausgliederung etwa der teuren Logistik geht, fehlt der Schwung, ist zu hören. Fachleute schütteln zudem den Kopf darüber, dass Kamps trotz großer Überkapazitäten auf dem Markt eine riesige neue Bäckerei in Mecklenburg-Vorpommern gebaut hat – die bei weitem nicht ausgelastet ist.

Ein Firmenkenner hält es für unwahrscheinlich, dass die Italiener Kamps komplett verkaufen. „Ich denke, Barilla wird die Marken Lieken und Golden Toast sowie die Aufback-Stationen behalten. Die erzielen zweistellige Renditen“. Die wenig margenstarken No Name-Produkte – Brote und Brötchen, die Supermärkte und vor allem Discounter unter eigenen Markennamen verkaufen – könnte Barilla Finanzinvestoren oder andere Hersteller in diesem Segment verkaufen. Immer wieder fällt der Name von Klaus Ostendorf, Eigentümer von Müller-Brot und Ankerbrot.

Zudem dürfte sich Barilla von den 950 Kamps-Bäckereien trennen, die zumeist von Franchise-Nehmern betrieben werden. Neben Heiner Kamps, der zuletzt die Feinkosthersteller Hamker und Homeyer sowie die Restaurantkette Nordsee gekauft hatte, könnte sich der Handelskonzern Edeka für die Shops interessieren. Die Hamburger betreiben in ihren Supermärkten bereits mehrere hundert Bäckereien.

Quelle: Welt Online

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