Die Rolle von Zockern, Bankern und Politikern in der Finanzkrise

Drei Literaturtipps zeigen: Ökonomie ist spannend wie ein Krimi

Hamburg. Wer die "Abwracker" (Heyne Verlag, 19,95 Euro) sind, daran lässt Hans-Olaf Henkel, Ex-Manager und früherer Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, keinen Zweifel: Zocker und Politiker, die unsere Zukunft verspielen und die mit schuld sind am "Mangel an marktwirtschaftlichen Regeln". Durch sie kam es zur Krise. Autor Henkel ist ein Mann der Wirtschaft, aber er teilt nach allen Seiten aus und kritisiert neben Politikern auch Konzerne wie den Autobauer GM und dessen "Missmanagement" oder greift bei der Analyse politischer Unruhen wie in den französischen Vorstädten auf eigene Beobachtung ("jahrelang in Frankreich gelebt") zurück. Über die "politisch korrekte Erklärung", es handle sich um das Aufbegehren unterprivilegierter Migrantenkinder, könne er "nur den Kopf schütteln". Deren Arbeitslosigkeit sei schuld und die Frustrierten fänden keine Arbeit, "weil Gutmenschen mit Mindestlöhnen die Jobs künstlich verteuert hätten".

Fazit: Klare Ansichten eines Wirtschaftsliberalen.

Während sich Experten streiten, ob der Krise auch eine Geldentwertung folgt, lässt der Buchtitel des Börsenexperten Stefan Risse daran keinen Zweifel: "Die Inflation kommt!" (FinanzBuchVerlag, 19,90 Euro). Dabei macht die Faktensammlung über "Die besten Strategien, sich davor zu schützen", auch ohne Übertreibung Sinn. Das Buch bietet Laien eine Analyse der Krise von der Lehman-Pleite bis hin zu den Schwachstellen im weltweit komplizierten Finanzsystem. Die besten Geldanlagen sind zwar nicht ohne Weiteres erkennbar, aber einzelne Risiken und Chancen sind übersichtlich erörtert.

Fazit: Für Wirtschaftslaien, die mehr wissen wollen.

Wie ein Kompendium aus der Volkshochschule liest sich Geseko v. Lüpkes "Zukunft entsteht aus Krise" (Riemann Verlag, 22,95 Euro). Hier kommen Experten zu Wort, die sich auch mit Systemtheorie und Ökologie auskennen. Das Buch besticht durch ein lesbares Format: Interview-ähnlich durchziehen übersichtliche Fragen alle 575 Seiten. Die fachkundigen Antworten geben Zukunftsforscher, Quantenphysiker und Managementtrainer.

Fazit: Eine anspruchsvolle Lektüre für Krisenphilosophen.