Online-Kriminalität

So schlüpfen Sie aus der hinterhältigen Abofalle

Sie versprechen das Blaue vom Himmel: Fiese Internet-Anbieter werben damit, dass sie die Schulnoten von Kindern verbessern – oder dabei helfen, jede Frau ins Bett zu bekommen. In Wahrheit wollen sie den Ahnungslosen jedoch teure Abofallen unterjubeln. Betroffene können sich zum Glück wehren.

"Ein Gratis-Klick, und du bekommst jede Frau ins Bett." - "Hier klicken, dann verbessert sich die Mathenote deines Sohnes von Mangelhaft auf Sehr gut." Solche Botschaften sind auf vielen Webseiten zu lesen. Zusätzlich gibt es noch eine Luxusreise nach Dubai für die ganze Familie zu gewinnen. Und vielleicht ist der Nutzer adelig, ohne es zu wissen: Der Webseiten-Betreiber findet das heraus - scheinbar kostenlos. Dafür müssen sich die Nutzer lediglich mit Namen und Anschrift registrieren.

Danach aber bekommen die Neukunden weder eine Luxusreise geschenkt noch eine Hausaufgabenhilfe, sondern hohe Rechnungen. Ohne es zu wissen, haben sie mit einigen Mausklicks ein Abonnement abgeschlossen. Die entsprechenden Verbraucherkosten standen im Kleingedruckten oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Wer das übersehen hat, muss unter Umständen jährlich 100 Euro und mehr zahlen.

Dem Bundeskriminalamt liegen zwar noch keine Statistiken über ansteigende Abofallen im Internet vor. Bei den Verbraucherzentralen gehen jedoch nach eigenen Angaben deutlich mehr Beschwerden über Online-Abzocke ein als noch im vergangenen Jahr. Sie schätzen die Anzahl bundesweit eingehender Beschwerden im Monat auf 20.000. Die Dunkelziffer wird höher sein. Betroffene Jugendliche vertrauen ihren Kummer zwar anderen Nutzern in Internet-Foren an, trauen sich jedoch oft nicht, ihren Eltern von eingehenden Online-Rechnungen oder Drohungen der Betreiber zu berichten.

Der juristische Kampf gegen diese Geschäftspraktiken ist aufwendig, da viele der Unternehmen ihren Geschäftssitz im Ausland haben und sie häufig ihre Webseiten umbenennen und nach einer Abmahnung neue Seiten mit gleichen Inhalten eröffnen. Strafanzeigen gegen die Fallensteller müssen jedoch nicht erfolglos bleiben. Im Mai 2007 verurteilte zum Beispiel das Landgericht Darmstadt die Gebrüder Schmidtlein GbR wegen irreführender Angebote im Internet zu einer Vertragsstrafe von insgesamt 24.000 Euro.

Auf Wunsch prüft Wettbewerbszentrale.de zweifelhafte Angebote. Wichtig ist, dass Nutzer alle ihre Aktivitäten auf den fragwürdigen Seiten gut dokumentieren und die Dateien längere Zeit aufbewahren. Wer bereits in der Falle sitzt, bekommt Hilfe bei allen Verbraucherzentralen. Die wichtigsten Tipps zu den Abzockmethoden sind in dem kostenlosen Faltblatt "Erst durchblicken - dann anklicken" nachzulesen, das die Initiative klicksafe und die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen erstellt haben. Wer namentlich hinter den Abofallen steckt, lässt sich häufig über die Webseite abzock.net ermitteln. Die Betreiber führen zum Beispiel Aliasnamen von im Impressum genannten Personen auf.

Wichtig ist auf jeden Fall, die manchmal seitenlangen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genau zu lesen. Sind sie auf der Webseite nicht zu finden, ist es besser, sie zu verlassen. Ein seriöser Anbieter hat nichts zu verbergen. Sind in den Bedingungen Vertragslaufzeiten oder Kündigungsfristen angeführt, weist das daraufhin, dass Nutzer im Begriff sind, ein Abonnement abzuschließen.

Auch sollte ein vollständiges Impressum zu sehen sein. Wichtig ist außerdem, alle Informationen, die auf den Seiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftauchen, zu speichern. Dazu können Nutzer entweder die jeweiligen Seiten ausdrucken oder über einen Screenshot sichern. Dazu auf die Taste "Druck" oder "Print Screen" drücken und mit gleichzeitigem Drücken der "Steuerung"- und "v"-Taste in ein Bildbearbeitungsprogramm oder in Word kopieren. Diese Dokumentationen erleichtern den eigenen Rechtsanwälten im Falle eines Rechtsstreits die Beweisführung.

Wer unsicher ist, ob er aus Versehen ein Abonnement eingegangen ist, sollte einen möglichen Vertragsabschluss sofort bestreiten. Entsprechende Musterschreiben gibt es bei den Verbraucherzentralen, die auch Musterbriefe für Widerrufe anbieten. Dieser ist auf jeden Fall rechtsgültig, wenn er innerhalb von 14 Tagen erfolgt. Die zwei Wochen gelten erst ab dem Zeitpunkt, ab dem der Anbieter den Kunden darüber in schriftlicher Form, zum Beispiel in einer E-Mail, informiert hat. Es reicht nicht aus, wenn der Betreiber auf die Widerrufsbelehrung auf der Webseite hinweist. Am besten ist es, den Widerruf per Einschreiben und Rückschein an den Anbieter zu senden.

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät in jedem Fall, die Rechnungen nicht zu bezahlen, auch wenn Inkassounternehmen Druck ausüben. Solange der Preis gegenüber dem Nutzer nicht klar und deutlich angezeigt werde, sei gar kein entgeltlicher Vertrag zustande gekommen. Daher müssten Verbraucher auch nicht dafür zahlen. Bewusstes Verstecken und Verschweigen eines Endpreises verstoße gegen die Preisangabenverordnung. Gegenteilige Behauptungen der Firmen und rechtliche Ausführungen seien falsch und irreführend.

Lockangebote für Kinder

Die Köder: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat zahlreiche Anbieter abgemahnt, die mit versteckten Kostenfallen arbeiten. Dazu gehören viele Betreiber, die auf ihren Seiten speziell Kinder und Jugendliche ansprechen. Sie bieten eine angeblich kostenlose Hausaufgabenhilfe, kostenlosen Versand von SMS-Kurznachrichten oder Basteltipps an. Zusätzlich locken sie mit vermeintlichen Gratisspielen, die sich allerdings nur für eine hohe Gebühr herunterladen lassen. Manche Seitenbetreiber platzieren auf ihren Homepages Comicfiguren und Haustiere, damit sich Kinder durch ihr Angebot klicken. Die Pflegetipps für die Katze oder den Hund gibt es bei einigen Seiten jedoch nur als Abonnement.

Die Rechtslage: Ohne Einwilligung der Eltern dürfen Kinder und Jugendliche keine Verträge abschließen. Sie sind nicht geschäftsfähig. Haben die Minderjährigen jedoch einen Dienst abonniert, sollten Eltern dem Anbieter sofort schriftlich mitteilen, dass sie mit dem Vertragsabschluss nicht einverstanden sind. Obwohl der angebliche Vertrag nicht rechtsverbindlich ist, können Eltern vorsorglich widerrufen. Damit erkennen sie den Vertrag nicht als geschlossen an. Ratsam ist, alle Zahlungsaufforderungen zu ignorieren, den gesamten Schriftverkehr zu dokumentieren und sich notfalls an eine Verbraucherzentrale zu wenden.

Quelle: Welt Online