Früherer MAN-Spitzenmanager gesteht Schmiergeldzahlungen

Kasachische Firma forderte neun Millionen Euro für Pipelinebau

München. Mit dem Geständnis eines ehemaligen Spitzenmanagers hat der erste Prozess in der MAN-Korruptionsaffäre begonnen. Der frühere Chef der Turbomaschinensparte räumte ein, rund neun Millionen Euro Schmiergeld an Verantwortliche eines staatlichen Gaskonzerns in Kasachstan gezahlt zu haben. "Ich habe entschieden, dass wir das machen", sagte der Angeklagte gestern zum Prozessauftakt vor dem Münchner Landgericht. "Die Vorteile waren groß für das Unternehmen." Für das Geständnis stellte die Strafkammer nach vorheriger Absprache mit Verteidigung und Staatsanwaltschaft dem Angeklagten eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren samt Zahlungsauflage von 100 000 Euro in Aussicht. Ein Urteil könnte bereits am kommenden Montag gesprochen werden.

"Mir war schon bewusst, dass ich gegen Gesetze verstoße"

Der 66 Jahre alte Rentner, der sich vom Lehrling in drei Jahrzehnten in das MAN-Topmanagement gearbeitet hat, bezeichnete die Vorwürfe der Ankläger als zutreffend. 2004 sei er kurz vor Abschluss eines Pipelinevertrages mit der Gasfirma KazTransGas auf die Schmiergeldforderung der kasachischen Kundschaft eingegangen. Bei dem 84 Millionen Euro schweren Vertrag ging es um die Modernisierung und Erweiterung einer 830 Kilometer langen Pipeline, über die Gas aus Turkmenistan und Usbekistan nach Russland geleitet wird. "Mir war schon bewusst, dass ich hier gegen Gesetze verstoße. Ich will da gar nicht drum rumreden", sagte er. "Wenn wir auf die Forderungen nicht eingegangen wären, hätten wir den Auftrag nicht bekommen."

Angeklagter hoffte auf Markteintritt in Kasachstan und Folgeaufträge

Die Konkurrenz - Siemens und GE - habe großes Interesse an dem Projekt gehabt. Der frühere Spartenchef rechtfertigte die Bestechung damit, dass es sich um einen Großauftrag gehandelt habe, der laut Anklage Folgeaufträge von rund 1,4 Milliarden Euro habe erwarten lassen. Zudem habe sich MAN Turbo durch das Pipelineprojekt den Einstieg in den wichtigen kasachischen Markt erhofft.

Die Korruption im Lastwagen- und Maschinenbaukonzern MAN war im Mai 2009 nach einer Razzia bekannt geworden. Der angeklagte Ex-Turbo-Chef wurde vorübergehend festgenommen. MAN akzeptierte schließlich eine Geldbuße von 150 Millionen Euro. Neben Vorstandschef Håkan Samuelsson mussten zahlreiche Spitzenmanager den Konzern verlassen.