Air-Berlin-Chef wettert gegen die Ticketsteuer

Hamburg. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn appelliert an die Bundesregierung, die zu Jahresbeginn 2011 eingeführte Luftverkehrssteuer wieder abzuschaffen. Man habe den deutschen Fluggesellschaften damit "einen Mühlstein um den Hals gehängt", sagte Mehdorn gestern Abend auf einer Veranstaltung der Stiftung Hamburger Admiralität an Bord des Museumsschiffs "Cap San Diego".

Allein Air Berlin habe die Ticketabgabe im vergangenen Jahr 160 Millionen Euro gekostet. "Das gibt dieses Geschäft nicht her, das werden wir nie erwirtschaften können", sagte Mehdorn. Bis heute sei es angesichts des scharfen Wettbewerbs noch nicht einmal gelungen, die Mehrkosten durch den Anstieg des Kerosinpreises voll an die Passagiere weiterzugeben.

Im Jahr 2011 habe sich der Treibstoffpreis um 22 Prozent verteuert, und auch in diesem Jahr setze sich die Tendenz fort - eine schwere Belastung für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, deren jährliche Kerosinrechnung ungefähr eine Milliarde Euro betrage. Zusätzliche Bürden ergäben sich aus der seit Jahresanfang 2012 für europäische Airlines geltenden Pflicht zur Teilnahme am Emissionshandel sowie aus den Nachtflugverboten: "Dies verschafft ausländischen Konkurrenten schon wieder einen Vorteil."

Dabei sei schon 2011 für die deutschen Fluggesellschaften ein "ganz miserables Jahr" gewesen. Air Berlin hat den Verlust auf 265 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Im August war der langjährige Vorstandsvorsitzende Joachim Hunold zurückgetreten und hatte den früheren Bahnchef Mehdorn, der in den 1990-er Jahren das Hamburger Airbus-Werk leitete, als Nachfolger vorgeschlagen. Bereits im vergangenen Jahr hat der Vorstand ein Umstrukturierungsprogramm eingeleitet. "Wir wollen in relativ übersichtlicher Zeit in die schwarzen Zahlen zurück", so Mehdorn. "Wir sparen aber nicht am Komfort für unsere Kunden." Unter anderem gehe es darum, die Jets durch eine bessere Organisation länger pro Tag fliegen zu lassen.

Durch den Einstieg der Fluglinie Etihad aus Abu Dhabi sei Air Berlin aber ein "völlig neues Unternehmen" geworden, sagte Mehdorn: "Wir sind jetzt nicht mehr abschaffbar." Und durch den Beitritt zur Flugallianz Oneworld stünden "schlagartig 800 Ziele zusätzlich im Flugplan". Damit sei man in die "Bundesliga der Airlines" aufgestiegen.

Lob hatte der Air-Berlin-Chef für den Hamburger Markt: "Wir haben an diesem Standort unsere Freude." Im vorigen Jahr seien 3,6 Millionen Passagiere mit der Airline von und nach Hamburg geflogen, rund 300 Beschäftigte und neun der insgesamt etwa 170 Jets sind hier stationiert.