Ex-Senator Vahrenholt verlässt Chefsessel bei RWE Innogy

Wechsel in den Aufsichtsrat. Unternehmen investiert Milliarden

Hamburg. Fritz Vahrenholt, ehemaliger Hamburger Umweltsenator und Shell-Vorstand, räumt seinen Chefsessel bei RWE Innogy. Zum 1. Juli wird der geborene Gelsenkirchener in den Aufsichtsrat der Gesellschaft wechseln, die im RWE-Konzern für erneuerbare Energien zuständig ist. "Das ist für mich eine maßgeschneiderte Lösung. So kann ich weitere drei Jahre die Geschicke des Unternehmens begleiten, Einfluss auf strategische Entscheidungen nehmen und etwas für Hamburg tun", sagte Vahrenholt gestern dem Abendblatt. In der Hansestadt hat RWE den Großteil seiner Beschäftigten für den deutschen Windkraft-Bereich konzentriert. Mit den künftig 70 Mitarbeitern auf Helgoland kommt der Konzern hier auf 300 Beschäftigte.

Vahrenholt, 62, war nach eigenen Angaben der erste Angestellte bei Innogy, als der damalige RWE-Chef Jürgen Großmann die Ökostromtochter mit Schwerpunkt auf Wind, Wasserkraft und Biomasse gründete. Im Januar 2008 hatte der Manager einen langjährigen Vertrag erhalten, obwohl er damals bereits 57 Jahre alt war und bei RWE eine Altersgrenze von 60 Jahren für Führungskräfte gilt. Dieser Vertrag läuft jetzt aus. Unter Vahrenholts Regie stieg die Zahl der Beschäftigten seit 2008 von zunächst 560 auf weltweit 1500. "Wir waren so erfolgreich beim Aufbau des Unternehmens, dass wir für die Muttergesellschaft in Deutschland einen sechsköpfigen Aufsichtsrat bilden müssen", sagte er gestern. Neben vier Vertretern der Arbeitgeber werden zwei der Arbeitnehmer in das Gremium einziehen. Nach Informationen des Abendblatts übernimmt Vahrenholt den Vorsitz.

Nachfolger von Vahrenholt wird Hans Bünting, der bisherige Finanzvorstand des Unternehmens, der ebenfalls Innogy von Beginn an mit aufgebaut hatte. Seine größten Projekte sind jetzt zwei Offshore-Windparks, deren Bau im Sommer starten soll. "Wir werden für den Park Nordsee Ost 900 und für den in der Irischen See mehr als zwei Milliarden Euro investieren", sagte Bünting dem Abendblatt. Die Anlage in der Nordsee soll Ende 2013, die vor Großbritannien in zwei Abschnitten 2013 und 2014 in Betrieb gehen.

Insgesamt will Bünting an der Unternehmensstrategie wenig ändern. "Wir werden aber personell langsamer wachsen und künftig stärker an den Ergebnissen gemessen", sagte der Manager. 2010 lag der Umsatz bei 569 Millionen Euro und das operative Ergebnis bei 72 Millionen Euro. Für 2011 sollen die Zahlen deutlich höher ausfallen. Schon nach neun Monaten erreichte das Ergebnis 99 Millionen Euro. "Danach hatten wir noch einen sehr windigen und damit für uns goldenen Dezember", sagte Bünting.