Wirbel um angebliche Rettungsaktion für Spanien

Muss die EU dem Mittelmeerstaat unter die Arme greifen? Madrid gibt Anleihen im Wert von fast zehn Milliarden Euro aus. Auch Moody's stuft Griechenland herab

Berlin/Madrid. Heute wird sich zeigen, ob internationale Anleger dem spanischen Staat noch vertrauen. Das Mittelmeerland will Anleihen im Wert von sechs Milliarden Euro versteigern. Morgen sollen noch einmal bis zu 3,5 Milliarden Euro eingenommen werden. Gleichzeitig gerät Spanien aber an den Finanzmärkten in Bedrängnis. Nach Spekulationen, dass die EU eine finanzielle Rettungsaktion für das Land vorbereitet, sind die Risikoaufschläge für spanische Anleihen gestiegen.

In dieser Situation versucht die Politik, die nervösen Märkte zu beruhigen: "Wir haben keinen Plan in Vorbereitung", sagte etwa der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. "Es gibt eine Menge Gerüchte zum Thema Spanien", heißt es in der Berliner Politikszene. Aber eben nichts Handfestes, sondern nur Beobachtungen: Etwa, dass wichtige Mitarbeiter des Finanzministeriums Termine verschieben und nicht erklären, warum.

Mit Sorgen wird in Berlin beobachtet, dass sich die Refinanzierungsbedingungen für die spanischen Banken verschlechtern. Vergangene Woche wurde bekannt, dass europäische Banken vielen kleineren Banken in Spanien kein Geld mehr leihen. "Für die meisten spanischen Firmen und Finanzinstitute sind die internationalen Kapitalmärkte geschlossen", sagte Francisco Gónzalez, Chef der spanischen Großbank BBVA. Seine Bank und andere große Häuser stehen noch verhältnismäßig gut da, weil sie einen Großteil der Erträge im Ausland erwirtschaften. Aber die kleineren Sparkassen und Regionalbanken des Landes haben während des Baubooms großzügig Hypotheken vergeben, zahlen jetzt die Zeche dafür: Viele ihrer Schuldner können nach dem Platzen der Immobilienblase ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. "Ein Großteil dieser Kreditinstitute ist praktisch pleite", sagt ein Kreditanalyst einer deutschen Bank. Zwei von 46 Instituten stehen bereits unter Zwangsverwaltung. Fast alle Sparkassen führen staatlich erzwungene Fusionsgespräche. Nur etwa 15 Sparkassen sollen übrig bleiben.

Ratingagenturen und internationale Organisationen fordern eine möglichst schnelle Sanierung, um Spaniens Kreditwürdigkeit wiederherzustellen. Denn die Regierung in Madrid hat zwar einen Rettungsfonds für Banken aufgelegt. Aber ausgerechnet der könnte die Probleme auf die Staatsebene übertragen: Von den 100 Milliarden Euro Fondsvolumen seien nur zwölf Milliarden Euro bereits finanziert, sagt Guido Zimmermann, Staatsschuldenexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Den Rest wollte sich die Regierung bei Bedarf über Anleihen am Markt besorgen." Doch je größer die Skepsis gegenüber Spanien wird, desto schwieriger könnte die Suche werden. Und das droht eine gefährliche Spirale in Gang zu setzen: Ein unterfinanzierter Fonds würde die Sorgen um Spaniens Bankensektor verstärken und damit die Zweifel an der Solvenz des Landes. Sollte das Geld im spanischen Bankenrettungsfonds nicht ausreichen, müssten EU-Kommission und EU-Länder mit dem 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm einspringen.

Unterdessen stufte gestern die Ratingagentur Moody's - wie schon Standard & Poor's im April - die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Griechenland auf Ramschstatus herab. Moody's begründete den Schritt vor allem mit Risiken des drastischen Spar- und Restrukturierungsprogramms der Regierung in Athen.