Streit um die Karstadt-Miete

Der Käufer der Warenhauskette fordert weitere Zugeständnisse vom Konsortium Highstreet

Hamburg. Die Zukunft von Karstadt wird immer unsicherer: In London verhandeln der neue Eigentümer des insolventen Kaufhauskonzerns, Nicolas Berggruen, und das Vermieterkonsortium Highstreet um die US-Bank Goldman Sachs heute über weitere Mietminderungen.

Hinter den Kulissen bereiteten sich Alexander Dibelius, der Deutschland-Chef von Goldman Sachs, und Highstreet jedoch auf eine mögliche eigene Übernahme von Karstadt vor, schreibt das Magazin "Der Spiegel". Derartige Hoffnungen seien aber eine Illusion, heißt es vom Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. "Der Insolvenzplan schließt die Ersetzung des Berggruen-Vertrags durch einen anderen aus", sagte Görgs Sprecher Thomas Schulz gestern dem Abendblatt.

Highstreet hat Zweifel am Konzept des Investors Berggruen

Nach Unterzeichnung des Kaufvertrags am vergangenen Dienstag sind Berggruen und das im Bieterrennen um Karstadt unterlegene Highstreet-Konsortium heftig aneinandergeraten. So zweifele Highstreet an der Realisierbarkeit von Berggruens Konzept, zitiert der "Spiegel" aus einem Brief des Konsortiums an den Insolvenzverwalter Görg. Die Präsentation, mit dem Berggruen den Gläubigerausschuss von seinem Konzept überzeugt habe, sei nur neun Seiten lang und wenig aussagekräftig, heißt es. Heute soll Berggruen auf dem Treffen in London ein von den Vermietern verlangtes Konzept für die Warenhauskette vorstellen.

Gleichzeitig verlangt der Karstadt-Käufer von Highstreet noch weitere Zugeständnisse bei den Mieten. Diese seien "einfach noch zu hoch, sie sind nicht marktüblich", sagte Berggruen der "Welt am Sonntag". Dem "Spiegel" zufolge fordert er bis zum Jahr 2018 eine maximale Mietsteigerung auf 230 Millionen Euro und von da an eine Orientierung der Miete am Umsatz. Dies lehne Goldman Sachs kategorisch ab. Deren Angebot sehe 210 Millionen Euro Mietzahlungen für dieses Jahr und einen Anstieg bis 2018 auf 250 Millionen Euro vor. Dennoch zeigte sich Berggruen zuversichtlich, dass eine Einigung zustande kommt. Highstreet habe eine große Verantwortung gegenüber den 25 000 Mitarbeitern und insgesamt 120 Warenhäusern: "Der müssen sie gerecht werden, und ich glaube, das werden sie auch", sagte der Deutsch-Amerikaner der "Welt am Sonntag".

Denn ohne Einigung wird der Kaufvertrag vom vergangenen Dienstag nicht rechtskräftig, dann droht Karstadt doch noch die Zerschlagung - und in diesem Fall würde Highstreet noch viel weniger Miete bekommen. Über die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios sagte Berggruen: "Theoretisch wäre das möglich. Aber ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich."