Niederlande: Containerumschlag steigt um 16 Prozent

Rotterdams Hafen hakt die Krise ab

Hamburg. Ermutigende Zahlen aus Rotterdam, Europas größtem Seehafen: Der Güterumschlag ist dort in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem ersten Quartal 2009 deutlich gestiegen, wie die städtische Hafengesellschaft gestern mitteilte. Rotterdam fertigte insgesamt 107 Millionen Tonnen Güter ab, das waren 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Containerumschläge stieg um 16 Prozent auf 2,6 Millionen Einheiten (TEU).

Beim Gesamtumschlag liegt Rotterdam im ersten Quartal noch über dem Vergleichszeitraum des Rekordjahres 2008. Die Zahl der Containerbewegungen liegt in etwa gleichauf mit dem Wert von vor zwei Jahren. "Die Erholung gegenüber 2009 ist beträchtlich, aber ich vergleiche die Zahlen lieber mit 2008. Das war ein Spitzenjahr, und bislang kommen wir in dessen Nähe", sagte Hans Smits, Chef der Hafengesellschaft. Allerdings sei noch nicht klar, wie sich diese Entwicklung über das weitere Jahr hin fortsetzen werde: "Das Wachstum wird abflachen. Die Frage ist, ob der Hafen dieses Jahr in einem Ruck den Rückgang des vergangenen Jahres von minus acht Prozent aufholen kann", sagte Smits. "Das wäre eine fantastische Leistung."

Rotterdam hat die Wirtschaftskrise insgesamt besser überstanden als Hamburg, wie sich in der Bilanz 2009 zeigte. Das lag einerseits daran, dass Rotterdam einen höheren Anteil an Massengütern umschlägt - darunter Rohöl und Ölprodukte -, deren Mengen auch in der Krise relativ stabil blieben. Zudem profitierte die niederländische Stadt von einer anderen Eignerstruktur bei seinen Containerterminals und nahm Hamburg einen Teil des Transitverkehrs in die Ostsee ab. Der Hamburger Hafen verlor im vergangenen Jahr gegenüber 2008 rund ein Drittel seines gesamten Containerumschlags, in Rotterdam waren es nur rund zehn Prozent.

Die Zahlen des ersten Quartals für den Hamburger Hafen sollen Anfang Mai vorgestellt werden. Eine Erholung beim Containerverkehr zeichnet sich aber offenbar auch an der Elbe ab. "Wir beobachten in den vergangenen Wochen eine deutliche Belebung beim Containerumschlag", sagte Michael Ahrens, Sprecher der Behörde für Wirtschaft und Arbeit, dem Abendblatt. "Der Hafen hatte einen sehr starken März. Wir rechnen für den März gegenüber dem Vorjahresmonat mit einem Zuwachs bei der Zahl der Containerumschläge im zweistelligen Prozentbereich", so Ahrens.

Wie dauerhaft die Entwicklung beim Containerumschlag ist, lässt sich derzeit schwer einschätzen. "Die positive Entwicklung ist hauptsächlich dem Verkehr in Richtung Asien zu verdanken", sagte Rotterdams Hafenchef Hans Smits. Das spricht dafür, dass Unternehmen in den fernöstlichen Ländern ihre Lagerbestände auffüllen. Während der Boomjahre war das Wachstum der Umschlagzahlen vor allem vom Export aus Asien nach Europa und in die USA getrieben worden. "Der innereuropäische Verkehr bleibt zurück", sagte Smits gestern.