Kommentar: Korruption bei Daimler

Nur weltweite Standards helfen

Für Daimler hat die ohnehin verlustreiche Ehe mit dem US-Autobauer Chrysler, die schon im Jahr 2007 geschieden wurde, ein äußerst unangenehmes Nachspiel.

Wegen dieser früheren Verbindung nach Amerika muss sich Daimler nun mit den dortigen Behörden wegen Korruptionsfällen auseinandersetzen, die sich gar nicht in den USA ereigneten - und eine Verurteilung vor einem US-Gericht darf der Stuttgarter Konzern wegen der drastischen Strafen keinesfalls riskieren. Aber auch ein Vergleich statt eines Prozesses ist teuer, das musste schon Siemens erfahren.

Dass Schmiergelder verabscheuungswürdig sind und konsequent geahndet werden sollten, dürfte kaum jemand bestreiten. Es wäre aber nur zu verständlich, wenn man in den Chefetagen der betroffenen deutschen Konzerne die hohen Vergleichszahlungen mit einer gewissen Verbitterung sieht. Denn schließlich ist es in vielen Ländern schlicht üblich, für die Vergabe von Großaufträgen gewisse Gegenleistungen zu erwarten. Das muss nicht immer Bestechung bedeuten. Insider wissen aber: Konzerne zum Beispiel aus den USA oder aus Frankreich profitieren davon, dass ihre Regierungen im Ausland attraktive Koppelgeschäfte einfädeln, nach dem Muster: Wenn ihr bei uns Kraftwerke kauft, gibt es Kampfflugzeuge oder Nutzfahrzeuge ein bisschen günstiger. Bekannt ist auch, dass es Staaten gibt, in denen man Waren nicht einmal aus dem Zoll hinausbekommt, ohne Schmiergeld zu zahlen.

Natürlich lohnt es sich trotz allem, Korruption konsequent zu bekämpfen, schon weil sie eine wichtige Einzelursache für Armut in der Welt ist. Aber um wirklich entscheidende Fortschritte zu erzielen, müsste man sich auf internationale Standards verständigen und sie auch einhalten. Doch eine Einigung mit Ländern wie China dürfte in diesen Dingen schwierig sein.