Brite zeigt in Hamburg Ventilator ohne Rotorblätter

Dysons Idee für heiße Tage

Nach dem beutellosen Staubsauger präsentiert der Unternehmer eine weitere Erfindung für den Haushalt.

Hamburg. Der Mann, der sich in dem TV-Spot über Staubsaugerbeutel ärgert und seinen beutellosen Dyson als Lösung für das Dilemma präsentiert, spielt nicht nur den Erfinder, den Retter aller genervten Hausfrauen und -männer. Er ist wirklich so wie im Fernsehen, ein echter Tüftler, der Dinge bis aufs letzte Schräubchen auseinandernimmt. Und der sich eine kindliche Neugier für das "Warum" bewahrt hat. Außerdem heißt er so wie sein Staubsauger: Dyson. Wegen seiner Verdienste für sein Vaterland Großbritannien darf er auch noch den Titel "Sir" führen.

Jetzt präsentierte Sir James Dyson, der Unternehmer, der mit dem weltweit ersten beutellosen Staubsauger reich und berühmt geworden ist, in Hamburg seinen neuesten Coup: einen Ventilator, der ohne Rotorflügel einen gleichmäßigen Luftstrom erzeugt. Bei der Deutschland-Premiere erklärte der jungenhaft wirkende Technikfreak mit sichtbarer Freude die Funktionsweise des "Dyson Air Multiplier Ventilators". Bis zu 27 Liter Luft werden pro Sekunde von einem Motor angesaugt. Diese Luft wird dann durch Technologien, die auch in Düsentriebwerken eingebaut werden, zu einem kraftvollen Luftstrom verstärkt, der durch einen schmalen, ringförmigen Schlitz geführt wird. Die Luft hinter dem Ventilator wird zusätzlich eingesogen, sodass sich der Wind verstärkt. "Es hat mit Luft zu tun, wie der Staubsauger", erklärt Dyson dem staunenden Publikum.

In Australien, wo der Sommer allmählich zu Ende geht, ist der Ventilator bereits auf dem Markt und hat alle Erwartungen des Herstellers übertroffen. In Deutschland kommt das Gerät im Mai in den Handel und kostet 299 Euro.

Die Idee zu dem Ventilator kam Dyson ähnlich wie beim Staubsauger, der es in Deutschland nach Miele und Siemens auf Platz drei im Markt geschafft hat, und zwar nach einem Anflug schlechter Laune. "Sie sind am kreativsten, wenn Sie sich über irgendetwas ärgern und es ändern wollen", sagt Dyson. Am Staubsauger störte ihn der Beutel, am konventionellen Ventilator der unregelmäßige Luftstrom. Bis zum funktionierenden eigenen Staubsauger entwickelte Dyson 5127 Prototypen. An der Windmaschine für zu Hause forschte Dyson vier Jahre lang. In jüngeren Jahren hat der Vater von zwei Kindern bereits eine neuartige Schubkarre und ein Amphibienfahrzeug entwickelt. Inzwischen wurde er mit Design- und Unternehmerpreisen überhäuft.

In Großbritannien hat Dyson als Technologierevolutionär und Chef von inzwischen gut 2000 Mitarbeitern eine Art Kultstatus erreicht. Er nutzt seine Prominenz und wirbt für eine größere Anerkennung von visionären Produktideen und ein besseres Image von Ingenieuren. "Die Jugendlichen wollen Rechtsanwälte, Schauspieler oder Journalisten werden", beklagt Dyson im Gespräch mit dem Abendblatt. "Ingenieure verbringen ihr Berufsleben in einer Fabrik, die dreckig und laut ist, glauben sie. Der Beruf gilt als uncool, und deshalb studiert kaum jemand ein technisches Fach."

Dabei könnten Länder wie Großbritannien oder Deutschland ihren Wohlstand nur durch eine gesunde Industrie halten. "Sonst importieren wir bald alles von den Chinesen oder Indern, die im Jahr Millionen Ingenieure ausbilden und auch noch billiger produzieren können als wir."

In seinem eigenen Unternehmen im beschaulichen Malmesbury im Westen Englands beschäftigt Dyson immerhin 500 Ingenieure, die er zum Querdenken anregt. Krawatten sind verpönt, "Uniformität beschneidet die Kreativität", sagt Dyson und wirkt auch selber bei seinem Auftritt in Hamburg mit einem schwarz gepunkteten Hemdkragen fernab vom modischen Mainstream.

So viel er über seine Erfindungen und Ingenieursgeist redet, so wenig verrät er über sein Unternehmen. Nur das: Die Ideen kommen aus Großbritannien, die Produktion ist in Malaysia. Der Staubsauger leistet immerhin bereits in rund 30 Ländern seine Dienste.