Schiffsbau

Russland-Auftrag soll Nordic-Werften retten

Wismar/Hamburg. Nach mehr als zwei Jahren haben die Nordic-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde wieder einen neuen Auftrag. Das Bergbauunternehmen Norilsk Nickel, das zu den zehn größten russischen Konzernen gehört, hat für 100 Millionen Euro einen eisbrechenden Tanker bestellt. Baubeginn soll in Wismar voraussichtlich am 1. Juli sein. "Mit dem Spezialtanker haben wir unseren ersten Auftrag hereingenommen, weitere werden folgen", sagte Vitaly Yusufov, der die Werften im August 2009 für 40 Millionen Euro übernommen hatte. Der Auftrag ist der größte für den deutschen Schiffbau seit Anfang 2009.

Zur Finanzierung des Neubaus äußerte sich Yusufov-Sprecherin Tina Mentner gestern nicht. "Wir haben darüber Vertraulichkeit vereinbart." Darauf reagierte das Schweriner Wirtschaftsministerium skeptisch. "Ein Schiff kann erst gebaut werden, wenn die Bauzeitfinanzierung steht, und darüber wissen wir noch nichts", sagte Sprecher Gerd Lange. Das Land sei aber bereit, Bankkredite mit Bürgschaften zu sichern.

Für die IG Metall Küste sei der Auftrag "ein wichtiges Signal für die Beschäftigten", sagte Bezirksleiterin Jutta Blankau. Die Gewerkschaft fordert nun, die beiden Transfergesellschaften für die Werften bis Ende Juli weiterarbeiten zu lassen. "Es geht darum, das Schiffbau-Know-how zu sichern", so Gewerkschaftssprecher Heiko Messerschmidt.

Von den 2300 Beschäftigten, die nach der Insolvenz im Juli 2009 in die Transfergesellschaften gewechselt waren, sind inzwischen 900 wieder bei den Werften beschäftigt. Derzeit wird fast nur in Wismar gearbeitet. "Mit dem neuen Auftrag wird die Beschäftigung weiter zunehmen", so Mentner. Yusufov hatte sich beim Kauf der Werften verpflichtet, 1200 Arbeitsplätze zu sichern. "Im Grundsatz gilt dabei 600 Jobs für jeden Betrieb", so Messerschmidt. Dies müsse "umgehend" geschehen.