ThyssenKrupp: Angst um 169 Jobs in Hamburg

Fahrtreppen: Jede dritte Stelle ist gefährdet

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Der Konzern muss wegen Auftragsrückgang Einsparungen vornehmen. Der Betriebsrat legt für die Zukunft ein eigenes Konzept vor.

Hamburg. Unter den Beschäftigten bei ThyssenKrupp Fahrtreppen in Hamburg herrschen Verunsicherung und Angst. Es geht um Arbeitsplätze und damit um die berufliche Existenz. Die Konzernmutter ThyssenKrupp plant ein rigides Sparkonzept für das alteingesessene Werk in Horn.

Angesichts starker Produktions- und Auftragsrückgänge durch die Wirtschaftskrise sollen nach den Plänen der Geschäftsleitung 169 von jetzt 528 Stellen gestrichen werden, berichtet Detlev Bohlmann, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Hamburg, dem Abendblatt. Damit würde gut jeder Dritte seinen Arbeitsplatz verlieren.

ThyssenKrupp Fahrtreppen GmbH wollte gestern keine konkreten Zahlen nennen. "Der starke Auftragseinbruch durch die Krise zwingt uns zum Stellenabbau", sagte Firmensprecherin Monica Soffritti. Der erfolgte Abbau von Urlaubskonten und Kurzarbeit reichten als Sparmaßnahmen nicht aus. "Vor einem halben Jahr sollten noch 277 Stellen gestrichen werden, doch jetzt werden es weniger sein." Auch ThyssenKrupp gehe es um die Mitarbeiter und ihre Familien. Klar sei aber, so Soffritti: "Wir wollen den Standort Hamburg erhalten."

Die Beschäftigten wollen einen Kahlschlag verhindern. Der Betriebsrat hat deshalb ein eigenes Konzept erarbeitet, mit dem mindestens 460 Arbeitsplätze in Hamburg erhalten bleiben könnten. Das Konzept wurde jetzt der Geschäftsführung vorgelegt, die Verhandlungen dazu laufen. "Wir lehnen betriebsbedingte Kündigungen ab und fordern eine Standortsicherung bis Ende September 2014", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Volker Teichert. "Auf die Krise muss man angemessen reagieren und kein Sterben auf Raten organisieren."

Insgesamt erwartet ThyssenKrupp für sein Geschäftsjahr 2010/2011, das Ende Oktober endet, rund 830 neue Aufträge für Fahrtreppen. Diese Zahl liegt leicht über dem Vorjahr, als die Produktion von zuvor 1434 drastisch auf 820 Fahrtreppen gesunken war. Von den 830 erwarteten Aufträgen sollen laut Konzernplan 520 in Hamburg gefertigt werden, 310 würden aus China importiert und in Hamburg nur noch komplettiert.

Das Gegenkonzept des Betriebsrats sieht dagegen vor, dass künftig 700 der 830 Fahrtreppen und Fahrsteige in der Hansestadt hergestellt werden sollen. Zudem bietet die Belegschaft an, ihre Arbeitszeit von jetzt 35 auf 32 Stunden pro Woche abzusenken - und zwar bei Lohnverzicht. Mit dieser Umverteilung von Arbeit könnten unterm Strich 460 Arbeitsplätze erhalten werden, rechnet Teichert vor. Der darüber hinaus verbleibende Stellenabbau soll über freiwillige Maßnahmen - wie Aufhebungsverträge oder Weiterbildung - erfolgen. "Auch mit diesem Konzept ist unterm Strich ein Gewinn zu erzielen", sagt der IG-Metaller Bohlmann.

ThyssenKrupp in Hamburg-Horn ist das letzte bestehende Werk für Fahrtreppen in Deutschland. Ihre im Volksmund als "Rolltreppen" bezeichneten Produkte beschleunigen nicht nur an Flughäfen, in U-Bahn-Stationen oder Kaufhäusern die Fortbewegung, sondern sollen künftig auch Konzertbesucher in der neuen Elbphilharmonie zu den richtigen Rängen geleiten.

Die mächtigen Konkurrenten von ThyssenKrupp - wie Otis und Schindler - haben laut IG Metall ihre Produktionslinien bereits ins Ausland, insbesondere nach China verlagert. ThyssenKrupp produziert unterdessen an drei Standorten - in Spanien, China und Hamburg. Das Hamburger Werk selbst kann wiederum auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Und auch viele der Beschäftigten - Facharbeiter und Ingenieure - sind dem Unternehmen seit vielen Jahren treu. Von Hamburg aus werden Fahrtreppen in alle Welt exportiert. 90 Prozent der technischen Innovationen der Unternehmenstochter würden in der Hansestadt entwickelt, so Betriebsrat Teichert. Und so soll es nach dem Wunsch der Belegschaft auch in Zukunft bleiben.