Versicherung

Signal Iduna wächst, hat aber ein Dauerproblem

Hamburg. Reinhold Schulte greift gern zu, wenn es darum geht, seine Versicherungsgruppe Signal Iduna zu erweitern. Im vergangenen Jahr boten sich dafür viele Gelegenheiten: Mit der Deurag kam mit rund 100 Millionen Euro Beitragseinnahmen ein Rechtsschutzversicherer, mit der Rheinischen Spiegelglasversicherung ein kleinerer Gewerbeversicherer hinzu. "Zusammen mit der Allrecht, die schon zu uns gehört, sind wir jetzt der achtgrößte Rechtsschutzversicherer", sagt Vorstandschef Schulte.

Dann bot sich noch die Gelegenheit, von der Commerzbank das Bankhaus Reuschel zu erwerben, das in diesem Jahr mit der Conrad Hinrich Donner Bank in Hamburg zum Bankhaus Donner & Reuschel verschmolzen wird. Schließlich klopfte ein weiterer Versicherer an die Tür der Signal Iduna: die Deutsche Ring Krankenversicherung. "Eine solche Entwicklung kann man nicht planen, das hat sich ergeben", sagt Schulte. Bisher hat er immer das Beste daraus gemacht. "Die Fusion von Signal und Iduna brachte innerhalb von zehn Jahren Einsparungen von 200 Millionen Euro ohne betriebsbedingte Kündigungen", sagt Schulte. "Geplant hatten wir mit 100 Millionen Mark." Im Krisenjahr 2009 hat sich Signal Iduna gut behauptet. Die Beitragseinnahmen stiegen um 13 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Der weitaus größte Teil der Steigerung entfiel auf die Übernahme der Krankenversicherungssparte des Deutschen Rings.

Doch damit kamen auch die Probleme. Denn der Krankenversicherer sitzt mit der Sach- und Lebensversicherung des Deutschen Rings, die zur Schweizer Baloise gehört, unter einem Dach und teilt sich Verwaltung, Vertrieb und 723 Mitarbeiter. Diese Verbindungen sollen nun entflochten werden. "Wir sind in Gesprächen mit der Baloise", sagt Schulte. Auf einen Zeitrahmen bis zur vollständigen Trennung will er sich nicht festlegen. "Ich habe keine Lösung und sehe große Probleme, je mehr es ins Detail geht", sagt er. Allein die Entflechtung der elektronischen Datenverarbeitung wird auf zweieinhalb Jahre veranschlagt. Die externen Kosten der Entflechtung werden auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Eine andere Lösung wäre, wenn die Signal Iduna noch die Sach- und Lebensversicherung des Deutschen Rings übernimmt. Das wäre in Schultes Sinn. Doch er weiß: "Das ist aus Sicht der Schweizer nicht verhandelbar, und wir müssen auch die Situation der anderen Seite im Blick haben."