Eine ganze Branche erwartet sinkende Umsätze

Musikkonzern droht Zahlungsproblem

EMI Music seit Übernahme durch Finanzinvestor hoch verschuldet. Illegale Downloads schmälern Einnahmen.

Hamburg. Wegen der steigenden Zahl von Raubkopien und illegalen Downloads befindet sich die weltweite Musikindustrie schon seit mehr als zehn Jahren in der Krise. An sinkende Umsätze ist man in der Branche deshalb gewöhnt. Doch jetzt gerät mit dem britischen Unternehmen EMI einer der weltweit fünf größten Tonträgerkonzerne an den Rand seiner Überlebensfähigkeit.

EMI warnte in London nach einem Verlust in Höhe von umgerechnet fast 1,8 Milliarden Euro vor Zahlungsschwierigkeiten. Im März drohe eine "wahrscheinlich bedeutende Deckungslücke", erklärte das Haus, das Weltstars wie die Beatles, Tina Turner, Robbie Williams, Norah Jones, Herbert Grönemeyer, Coldplay und Depeche Mode im Angebot hat. Die Unternehmensprüfer von KPMG wiesen im EMI-Geschäftsbericht darauf hin, dass der Traditionsmusikverlag seinen Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen könne. Die Schulden überstiegen das Betriebsvermögen um 408 Millionen Pfund. KPMG meldete deshalb "erhebliche Zweifel" an, ob EMI unter diesen Umständen den laufenden Betrieb fortsetzen könne.

EMI ist der Musikbranche schon längst zum abschreckenden Beispiel dafür geworden, wie sehr eine Übernahme durch Finanzinvestoren ein Unternehmen schwächen kann. Seit sich die britische Beteiligungsgesellschaft Terra Firma, die auch die deutsche Autobahngastronomie Tank & Rast besitzt, im Jahr 2007 mit vier Milliarden Pfund (damals umgerechnet etwa 5,6 Milliarden Euro) sehr teuer bei der Plattenfirma einkaufte, ächzt EMI unter einem riesigen Schuldenberg.

Denn Finanzinvestoren bezahlen den Kaufpreis meist nicht selbst, sondern bürden ihn gern den übernommenen Unternehmen auf. In guten Zeiten hätte EMI dies vielleicht stemmen können, doch offenbar nicht in Phasen, in denen die weltweiten Musikfirmen schon genug andere Probleme haben.

Lag der Umsatz der Branche in Deutschland 1999 noch bei 2,64 Milliarden Euro, so waren es 2008 nur noch 1,575 Milliarden Euro, wie Daniel Knöll, Sprecher vom Bundesverband der Musikindustrie, dem Abendblatt sagte. Die Musikunternehmen haben zu spät darauf reagiert, dass damals neue Techniken wie das Internet und illegale Tauschbörsen den kostenlosen Erwerb von Musik ermöglichten.

Zwar steigt inzwischen die Menge der aus dem Internet legal heruntergeladenen und korrekt bezahlten Titel wieder jedes Jahr mit zweistelligen Raten, aber das reicht noch lange nicht aus, um an die guten Zeiten der Vergangenheit heranzukommen. Laut einer Studie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden die Umsätze auch in naher Zukunft um durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr sinken. Eine Trendwende erwarten die Experten frühestens 2013.

So lange kann Terra Firma nicht warten. Das Unternehmen muss nun rund 100 Millionen Pfund nachschießen, um EMI bis März 2011 über Wasser zu halten. Dann steht die Überprüfung der Kreditverträge mit der Citigroup an - und die könnte EMI wegen der Finanzprobleme möglicherweise nicht bestehen. Terra Firma behauptet nun, die Bank habe sie bei der Übernahme über den Tisch gezogen und einen überhöhten Preis verlangt.

Wegen der Krise musste EMI auch schon den Wert seines Songkatalogs deutlich nach unten korrigieren. Das Unternehmen hat auch einen Sanierungsplan aufgelegt und 2000 Stellen gestrichen, um wieder zu Rivalen wie Universal, Sony und Warner aufzuschließen. Wegen der Krise kamen dem Label jedoch inzwischen Künstler wie die Gruppe Radiohead abhanden. In Hamburg beschäftigt der Konzern in seiner Musikverlagstochter EMI Publishing rund 30 Mitarbeiter.