Solarstrom-Förderung

Sonnenenergie bleibt ein rentables Geschäft

Die Förderung für privat erzeugten Solarstrom auf dem Dach oder an der Fassade wird zum 1. April sinken. Dennoch lohnt sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach weiterhin. Verbraucherexperten raten, bis zum April zu warten, denn vieles spricht dafür, dass die Preise der Anlagen kurzfristig anziehen.

Der Aufschrei in der deutschen Solarbranche war laut, als Norbert Röttgen die Kürzung ankündigte. Denn der Bundesumweltminister hatte schlechte Nachrichten für die Sonnenanbeter: Die Subventionen für Solarstrom sollen zum 1. April um 15 Prozent gekürzt werden. Eine Pleitewelle und der Verlust tausender Arbeitsplätze seien zu befürchten, warnte der Bundesverband Solarwirtschaft.

Die Kürzung trifft auch jene Hausbesitzer, die eine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach in Betrieb nehmen wollen, um damit Geld zu verdienen. Wer Sonnenstrom erzeugt und ins öffentliche Netz einspeist, bekommt 20 Jahre lang eine so genannte „Einspeisevergütung“. Deren Höhe ist gesetzlich festgelegt und richtet sich nach der Leistung der Anlage und dem Zeitpunkt, zu dem sie in Betrieb genommen werden. Stimmt der Bundestag Röttgens Plänen zu, gibt es für Strom aus Anlagen, die ab April ans Netz gehen, nicht mehr 39, sondern nur noch 33 Cent pro Kilowattstunde.

Ist es also sinnvoll, jetzt Hals über Kopf Solarzellen auf dem Dach zu montieren, um sich die höhere Vergütung zu sichern? Nein, sagen Experten wie Bernd Schüßler vom Fachmagazin Photon und Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. Sie vermuten, dass die Preise für Photovoltaikanlagen in den nächsten Wochen leicht anziehen und die höhere Vergütung auffressen könnten. Ab April dürften sie dagegen weiter fallen. Und zwar um 10 bis 15 Prozent bis zum Jahresende, so die Schätzungen der Fachleute. Bereits im vergangenen Jahr waren die Preise um 30 Prozent gesunken.

Auch wenn die deutsche Solarbranche klagt und um Arbeitsplätze bangt, bleiben clevere Hausbesitzer die Gewinner dieser Entwicklung: „Die Modulpreise sind so niedrig geworden, dass Verbraucher auch nach dem Frühjahr mit Photovoltaikanlagen noch ordentliche Renditen erzielen können“, bringt es Experte Schüßler auf den Punkt.

Kleinere Dachanlagen sind momentan für rund 3000 Euro pro Kilowattpeak Nennleistung zu haben. Das ist die Einheit, in der die maximale elektrische Leistung einer Photovoltaikanlage angegeben wird. Wie viel Strom eine Anlage tatsächlich produziert, hängt von der Lage des Dachs sowie dem Standort des Hauses ab – und natürlich vom Wetter. Eine Anlage im sonnigen Süden Deutschlands bringt tendenziell mehr Strom und damit Geld. Aber selbst im Norden der Republik lohnen sich die Dachkraftwerke auch dann noch, wenn die Einspeisevergütung im April wie geplant sinkt.

Das zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Eine für Einfamilienhäuser typische Anlage mit fünf Kilowattpeak kostet etwa 15.000 Euro und liefert je nach Sonneneinstrahlung zwischen 3500 und 6000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Wer diesen Strom komplett ins Netz einspeist, verdient mit der neuen Einspeisevergütung von 33 Cent zwischen 1000 und 1800 Euro im Jahr – und zwar 20 Jahre lang. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 6,7 bis 12 Prozent, nach höchstens 15 Jahren sind die Kosten wieder eingespielt. „Davon können Kapitalanleger nur träumen“, heißt es bei der Stiftung Warentest.

Wer seinen Solarstrom ganz oder teilweise selbst nutzt, schneidet unterm Strich sogar noch besser ab. Zum einen fällt die Stromrechnung niedriger aus, weil man weniger oder gar keinen Strom mehr kaufen muss. Erhöhen die Energieversorger die Strompreise weiter, wird eine Photovoltaikanlage also immer lukrativer. Zum anderen gibt es auch sogar dann Geld, wenn man seinen Sonnenstrom selbst verbraucht: Derzeit beträgt die so genannte „Selbstverbrauchsvergütung“ rund 23 Cent pro Kilowattstunde. Auch hier gilt: Wer seinen Strom erst nach einigen Jahren selbst nutzen möchte, erhält trotzdem den Fördersatz aus dem ersten Betriebsjahr der Anlage.

Fließen Strom und Geld, sollten Hausbesitzer vor allem eines beachten: „Sie werden zum Unternehmer, sobald Sie Ihren Strom ins öffentliche Netz einspeisen“, sagt Eigenheimexperte Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. Wer ein Kraftwerk auf dem Dach in Betrieb nimmt, kann sich zwar die Mehrwertsteuer für die Anlage vom Finanzamt wiederholen, muss aber auch jeden Monat eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben und seinem Energieversorger die Einspeisevergütung in Rechnung stellen. Das ist zwar lästig, dürfte aber manchem Hausbesitzer nach den Strompreiserhöhungen der vergangenen Jahre Freude bereiten.

Die deutsche Solar-Industrie macht indessen Front gegen die Kürzung der Solarstrom-Förderung. Am Donnerstag seien bundesweit Aktionen geplant, an denen sich eine Vielzahl von Firmen und deren Mitarbeiter beteiligen wollen, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Die Branche hält die Kürzung für zu hoch und zu früh.

Quelle: Welt Online