Schmiergeldskandal

Siemens verklagt Ex-Vorstände und steht vor Milliardenauftrag

München. Mit Millionen schweren Schadenersatzklagen will Siemens zwei frühere Vorstände wegen des Schmiergeldskandals vor Gericht zur Rechenschaft ziehen. Der Konzern reichte einen Tag vor der Hauptversammlung gestern beim Landgericht München Klage gegen den früheren Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger sowie gegen Ex-Vorstand Thomas Ganswindt ein. Von Neubürger fordert der Konzern 15 Millionen Euro, Ganswindt soll fünf Millionen Euro zahlen.

Siemens wirft den beiden Managern vor, die Entstehung eines Schmiergeldsystems durch mangelnde Kontrolle begünstigt zu haben. Gegen sie ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. Ganswindt gehörte von 2004 bis 2006 als Mitglied des damaligen Zentralvorstands zum engsten Führungszirkel bei Siemens. Er war für die Kommunikationssparte Com verantwortlich, in der Ende 2006 zuerst Schmiergeldzahlungen aufgedeckt worden waren. Der Konzern hatte die Schadenersatzklagen bereits angedroht und beiden eine Frist für Vergleiche bis heute gesetzt. Nun fallen die Forderungen weit höher aus, als bei den Vergleichsverhandlungen. Hier hatte Siemens von Neubürger vier Millionen und von Ganswindt eine Million Euro verlangt. Die Ansprüche orientierten sich an der "finanziellen Leistungsfähigkeit" der beiden Manager, sagte ein Siemens-Sprecher.

Neun weitere Topmanager hatten sich 2009 zu Schadenersatzzahlungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro bereit erklärt. Allein Ex-Chef Heinrich von Pierer zahlt fünf Millionen Euro. Der Skandal kostete den Konzern nach eigenen Angaben mindestens 2,5 Milliarden Euro.

Einen geschäftlichen Erfolg feiert das DAX-Unternehmen bereits gestern. Die Münchner haben beste Chancen auf den größten Zugauftrag in der Geschichte der Deutschen Bahn. Siemens sei der bevorzugte Bieter für die Lieferung von 300 Fernzügen, sagte gestern Bahn-Chef Rüdiger Grube. Mit dem Konzern werde man nun exklusive Verhandlungen etwa über die technische Ausstattung der sogenannten ICx-Züge aufnehmen. Grube hatte zuletzt von einem Auftragswert von sechs Milliarden Euro gesprochen. Bis zum Sommer sollten die Züge, die die bisherigen IC/EC sowie die ICE 1 und ICE 2 ersetzen sollen, endgültig bestellt werden. Zum Einsatz kommen sie nach bisherigen Bahn-Planungen ab 2015.

Bahn-Technikvorstand Volker Kefer betonte: "Bei den neuen Zügen wird die Qualität der Technik ein zentrales Thema sein." In der Vergangenheit hatte das Unternehmen wiederholt die Industrie für Versagen der Technik und etwa falsch ausgelegte Achsen verantwortlich gemacht. Zudem solle in den ICx die Mitnahme von Fahrrädern möglich sein. Dies ist bei den Fernzügen des Konzerns bislang nur in den IC möglich, die zuerst ersetzt werden sollen.